Langenfeld: Party statt Pauken
VON STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 11.06.2008Düsseldorf (RPO). Von den Langenfelder und Monheimer Abiturienten geht wohl niemand in die von der Schulministerin avisierte Mathe-Nachprüfung. Rektoren der Gymnasien sehen in dem Präzedenzfall einen Image-Verlust fürs Zentralabitur.
langenfeld / monheim Die Zeichen stehen auf Party, nicht auf Pauken: Am Freitag erhalten die Abiturienten des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG), am Samstag die Konrad-Adenauer-Abiturienten (KAG) ihre Zeugnisse. Und abends wird gefeiert. „Von uns wird wohl keiner in die Nachprüfung gehen“, glaubt eine 19-jährige Langenfelderin, die im Mathe-Abi 14 Punkte (glatte Eins) errang. „Die Wenigsten werden sich in der kurzen Vorbereitungszeit verbessern – die Luft ist ’raus.“
Die Auswahl trafen Mathe-Lehrer
Dass Schulministerin Barbara Sommer auf Druck des Ministerpräsidenten Abiturienten mit der Mathe-Aufgabe „Oktaeder“ oder „Basketball“ die Chance gibt, am kommenden Dienstag eine neue Klausur zu schreiben (siehe Info), sorgt bei den Schulleitern beider Gymnasien für Empörung. „Das Image des Zentralabis leidet“, befürchtet Wilfried Hofer. Der KAG-Konrektor hatte selbst einen Mathe-Grundkurs und versteht nicht, dass Kollegen in anderen Städten die fragwürdigen Aufgaben überhaupt genommen haben. „Wir Mathe-Lehrer hatten ja schließlich sieben Aufgaben zur Auswahl, und es war ersichtlich, dass die Oktaeder-Aufgabe sehr zeitaufwändig ist.“
Die zweite Chance
Anmeldung interessierter Mathe-Schüler bis Freitag, 13. Juni, 12 Uhr, bei der Schule. Bei Teilnahme an der zweiten Klausur werden die in der ersten Klausur erbrachten Leistungen ungültig.
Im Fall einer abweichenden Note in der Zweit-Klausur wird die Endnote neu berechnet und ein neues Abiturzeugnis ausgestellt.
Ähnlich sieht es sein Mathe-Kollege Martin Kaiser vom OHG: „Bei der ersten Teilaufgabe im Leistungskurs brauchte man schon die Fähigkeiten eines Einser-Schülers für die richtige Herangehensweise.“ Nichtsdestotrotz muss Schulleiter Dr. Hagen Bastian entsprechend der Mail aus dem Ministerium nun allen Schülern, die die fragliche Aufgabe im Grundkurs hatten, die Option einer Zweitklausur anbieten. „Die ich bereits erreicht habe, haben alle dankend abgelehnt“ – was den OHG-Direktor nicht überrascht: „Die meisten haben ja sehr gut abgeschnitten.“
Wie zum Beispiel Kira Katzenberger sowie die Brüder Andreas (18) und Michael (19) Kreißl, die alle drei die Abi-Traumnote 1,0 erzielten. Die 19-jährige Kira hatte sogar die beiden landesweit umstrittenen Leistungskurs-Prüfungen in Mathe und Biologie mit Bravour bestanden. „Wir sind von unseren Lehrern offenbar optimal vorbereitet worden“, meint die angehende Studentin dieser beiden Fächer. Auch ihr Rektor sieht in der intensiven Vorbereitung – so wurden in den Grundkursen und bei individuellem Bedarf Zusatzstunden erteilt – einen Schlüssel zum Erfolg: Ein Viertel der insgesamt 107 OHG-Abiturienten hat einen Schnitt zwischen 1,0 und 2,0 erzielt.
Auch könne man hier keineswegs von einer Nachprüfungswelle sprechen: Gerade mal sieben Schüler müssen in die mündliche Zusatzprüfung – der niedrigste Wert, den es am OHG je gab. So bedauert es Bastian, dass „die gute Idee des Zentralabiturs durch den Präzedenzfall Zweitklausur nun beschädigt“ worden sei. Und Michael Kreißl ergänzt: „Warum soll das im nächsten Jahr nicht auch für andere Fächer gelten?“ KOMMENTAR
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