Langenfeld: Pipeline: Trasse aufgegraben
VON DORIAN AUDERSCH - zuletzt aktualisiert: 29.04.2010Düsseldorf (RPO). Der Kampfmittelbeseitigungsdienst sucht in Langenfeld und Monheim entlang der bereits verlegten CO-Leitung nach Bomben- und Munitionsresten. Seit gestern wird in bestimmten Abschnitten die Trasse noch einmal freigelegt.
Vorsichtig lenkt Ralf Gottfried die Schaufel seines Baggers in eine knapp drei Meter tiefe Grube. Im Hintergrund führt sein Kollege Eckhard Reibe einen Metalldetektor über das bereits ausgehobene Erdreich, während der morgendliche Berufsverkehr über die nur einige Meter entfernte B 8 rauscht. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst sucht derzeit an verschiedenen Stellen entlang der umstrittenen CO-Pipeline des Bayer-Konzerns nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Mitarbeiter der auf Munitionsbergung spezialisierten Firma Röhll graben im Auftrag der Bezirksregierung in Wolfhagen ein etwa 250 Quadratmeter großes Gelände um. An dieser Stelle könnte sich vor mehr als 60 Jahren ein Schützengraben befunden haben, in dem möglicherweise auch ein Sprengstofflager untergebracht war.
Die Spezialisten
Behörde Die Kampfmittelbeseitigung als Teil der Gefahrenabwehr ist Aufgabe der örtlichen Ordnungsbehörden. Zur Unterstützung der örtlichen Stellen unterhält das Land NRW den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD).
Experten Die Spezialisten beseitigen auch zufällig gefundene Munition. Sie identifizieren verdächtige Gegenstände, entschärfen Fliegerbomben und sprengen diese zur Not auch am Fundort, wenn ein gefahrloser Abtransport unmöglich ist.
Einsätze Über 1000 mal im Jahr werden die Experten zu Kampfmittelfunden gerufen.
Verdachtsmomente
"Die genauen Koordinaten wurden uns von der Dienststelle übermittelt", erklärt Truppführer Jost Leisten. Er arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Feuerwerker und koordiniert acht Fachkräfte bei dem Einsatz. "Hier war vermutlich ein Schützengraben oder ein Flakgeschütz positioniert. Außerdem ist eine Bahnstrecke in der Nähe, die während des Krieges bombardiert worden sein könnte." Der Verdacht auf einen möglichen Bombenfund kam nach einer Luftbildauswertung auf. Rund 230 000 Aufnahmen haben die alliierten Truppen nach dem Krieg dem Kampfmittelräumdienst zur Verfügung gestellt. "Darauf lässt sich genau erkennen, wo die entsprechenden Stellungen waren", meint Leisten. Nach der Sichtung des Bildmaterials folgt meist ein erster Test mit einem Metalldetektor. Dieser reicht aber nur etwa 30 Zentimeter in den Boden. Was in tieferen Erdschichten liegt, muss mit einer Magnetfeldmessung aufgespürt werden. Dabei wird das natürliche Magnetfeld der Erde auf Störungen durch mögliche Fremdkörper im Untergrund geprüft. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, mit einem Geo-Radar den Boden zu durchleuchten. "Diese Verfahren eignen sich aber an dieser Stelle nur bedingt, weil die Pipeline hier bereits verlegt ist", sagt Gudela von Gronefeld. Die Dezernentin für den Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland koordiniert seit vier Jahren die Einsätze in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln. "Die Messungen haben sich zum Teil überlagert. Deswegen graben wir nun das Areal um. So können wir sichergehen, dass nichts mehr im Boden ist."
Irritiert über den Zeitpunkt
Die Pipeline-Gegner sind irritiert über den Zeitpunkt der Bombensuche. Schließlich ist die Leitung längst verlegt und – falls die Gerichte zugunsten des Bayer-Konzerns urteilen würden – so gut wie betriebsbereit. Dies sei ein Versäumnis der von Bayer Material Science (BMS) mit dem Bau beauftragten Firma Wingas, betont Geophysikerin von Gronefeld. Es habe zwar stellenweise Untersuchungen und Luftbildvergleiche gegeben, aber die Auflage, die Kampfmittelfreiheit für die gesamte Trasse vor (!) Baubeginn nachzuweisen, sei nur zum Teil erfüllt worden.
Auch im südlichen Teil von Monheim suchen die Experten daher in dieser Woche nach Kampfmitteln. An der Hitdorfer Straße wird in den nächsten Tagen ein vergleichbar großes Areal wie in Wolfhagen umgegraben. In naher Zukunft wird auch eine Stelle in Hilden genau untersucht. "An der Pipeline-Trasse werden wir in nächster Zukunft die Arbeiten abschließen, aber mit dem Aufspüren von Resten aus dem Krieg werden wir generell wohl nie fertig werden", sagt von Gronefeld. "Auch in 100 Jahren sind noch Bombenfunde denkbar. Schließlich sind angesichts der im Weltkrieg hergestellten und verwendeten Munitionsmengen bei jeder Baumaßnahme Funde möglich."
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