Langenfeld: Potenzielle Bazillenträger
VON MARTIN MÖNIKES - zuletzt aktualisiert: 11.02.2008Düsseldorf (RPO). Lehrer leben gefährlich: Wenn der Magen-Darm- oder Grippe-Virus umgeht, können sie sich ebenfalls direkt einen Krankenschein holen. Aber wer vertritt sie in der Klasse? Umdisponieren gehört zum Tagesgeschäft des Rektors.
Langenfeld / Monheim Offenbar verfügen Pädagogen über eine stabile Gesundheit. „Das Ministerium geht nicht davon aus, dass Lehrer krank werden“, beschreibt Norbert Erwen von der Lise-Meitner Realschule leicht ironisch die regelmäßigen Probleme der Schulleiter, wenn Lehrkräfte plötzlich ausfallen. Können bei vielen Arbeitnehmern unerledigte Akten notfalls ein paar Tage liegen bleiben, müssen die spätestens ab acht Uhr eintreffenden Schüler „beschult“ werden, auch wenn das Kollegium z.B. durch Grippeviren dezimiert ist.
36 Lehrerinnen und Lehrern an der Lise-Meitner-Schule, verteilt auf 26 Stellen, entsprechen zwar dem Soll-Stellenplan, aber der daraus entwickelte Normalstundenplan muss bei krankheitsbedingten Ausfällen, bei Fortbildungen oder in Folge von Klassenfahrten immer wieder aktualisiert werden. „Eine Klasse benötigt pro Stunde nur einen Lehrer, auf Klassenfahrt begleiten aber zwei Kollegen die Klasse“, rechnet Norbert Erwen vor. Mit den „Freistunden“ der anwesenden Lehrer wird versucht, die Löcher zu stopfen. Bevorzugt werden dabei die 5. und 6. Klassen „die gehen keinesfalls früher nach Hause“.
Sonderfall: schwanger
Sobald die Schwangerschaft bekannt wird, muss die Lehrerin zu Hause bleiben, bis der Amtsarzt ihren Impf- und Immunschutz geprüft hat.
Die strengere Neufassung des Gesetzes führte im Vorjahr zu langen Ausfallzeiten bei schwangeren Lehrerinnen. Inzwischen dauert es meist nur zwei Tage bis zu dieser Untersuchung.
Fehlt der Immunschutz (Röteln etc.), darf die Lehrerin nur noch eingeschränkt arbeiten.
Tagesgeschäft „Aktualisieren“
Unterrichtsausfall werde zwar vermieden, dennoch kommt es vor, dass „einzelne Schüler den Vertretungsunterricht anders wahrnehmen“, räumt der Pädagoge ein. Die erkrankten Lehrer geben in der Regel der Vertretungskraft Hinweise zum Arbeitsmaterial. Außerdem wird in den oberen Klassen bei den Vorbereitungen auf die Zentralen Abschlussprüfungen eigenverantwortliches Arbeiten eingeübt.
Am Otto-Hahn-Gymnasium ist die morgendliche Aktualisierung des Stundenplans für den Schulleiter „übliches Tagesgeschäft“. Erfreut registriert Dr. Hagen Bastian jedoch, dass dank einer deutlichen Verbesserung bei der Versorgung mit Stellen – derzeit unterrichten am OHG 80 Lehrer – die Vertretungsregelungen leichter zu organisieren seien als in früheren Jahren. Der Rektor lobt überdies den Einsatz von erkrankten Kollegen, die „notfalls per E-mail ihren Vertretern die notwendigen Hinweise zum Unterrichtsstoff geben“.
Für Sigrid Scheibe, die Leiterin der Langenfelder Kopernikus-Realschule, ist es wichtig, bei längeren Erkrankungen von Lehrern die unvermeidbaren Unterrichtsausfälle gleichmäßig auf die Schüler zu verteilen, „besonders in Hauptfächern“. Auch ihr Hauptaugenmerk gilt im Sinne einer verlässlichen Schule den Klassen 5 und 6. „Da wird sogar die 7. Schulstunde (bis 14.30 Uhr) vertreten“, sagt Sigrid Scheibe – wohl wissend,3 dass das 29-köpfige Kollegium durch solche Vertretungen stark belastet wird.
Auch Rektor Friedrich Bergmeister von der Käthe-Kollwitz-Schule weiß um die besonderen Gesundheitsrisiken, denen er und seine 24 Lehrkräfte „durch die mehr als 300 potenziellen Bazillenträger in der Schülerschaft naturgemäß ausgesetzt“ sind. Erkrankte Kolleginnen oder Kollegen führen auch bei ihm zu „Einbußen bei der pädagogischen Konzeption“. Beispiel: Im Fach Englisch, in dem eigentlich zwei Lehrkräfte die Schüler nach Leistungsvermögen differenziert unterrichten, kann bei Ausfällen nur ein Lehrer die Klasse in ihrer Gesamtheit unterrichten.
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