Baumberg: Protestanten setzen den Rotstift an
VON MONIKA KLEIN UND STEFANIE MERGEHENN - zuletzt aktualisiert: 22.08.2006Düsseldorf (RPO). Im Jahr 2030 wird die Evangelische Kirche ein Drittel weniger Mitglieder (und entsprechende Finanzen) haben, prognostizierte Superintendent Loerken auf der Kreissynode. Anlass, der im Januar tagenden Landessynode einige Empfehlungen mitzugeben, die weh tun, aber notwendig sind.
rhein-wupper Eine gemeinsame Verwaltung für Langenfeld, Monheim und alle anderen Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Leverkusen – das könnte in zehn Jahren Realität sein. Die Grundlage für einschneidende Strukturveränderungen legte die verschobene Frühjahrssynode am Wochenende mit mehreren Beschlüssen. Eine eindeutige Mehrheit sprach sich dafür aus, dass auf lange Sicht stärker im regionalen Verbund gearbeitet wird. Theologen wie Presbytern ist längst klar, dass die demografische Entwicklung und damit auch sinkende Kirchensteuern entscheidende Einschnitte nötig machen.
In zehn Jahren müssten Strukturveränderungen greifen, weil viele Gemeinden sonst vor dem Bankrott stünden, erklärte Superintendent Gert-René Loerken. Der Umbau zu einer Zentralverwaltung brauche zwei bis drei Jahre. Danach würde die Kirche sicher weniger Menschen beschäftigen, räumt der Superintendent ein. Grundsätzlich müsse man sich aber von einem „Kleinfürstendenken“ verabschieden. „In allen Gemeinden alle Angebote vorzuhalten, das ist in Zukunft nicht mehr möglich“, stellte Loerken klar. Stattdessen forderte er, Schwerpunkte zu setzen und Profil zu entwickeln: „Wo ,evangelisch’ draufsteht, muss auch Evangelium erfahrbar sein.“
Kreissynode
Die Kreissynode leitet den Kirchenkreis Leverkusen, einen von rund 40 evangelischen Kirchenkreisen in der rheinischen Landeskirche. Sie ist vergleichbar mit dem Parlament auf politischer Ebene.
Mitglieder der Kreissynode sind alle PfarrerInnen und gewählte PresbyterInnen aus den Gemeinden Langenfeld, Monheim, Burscheid, Leichlingen und Leverkusen. Die Kreissynode trifft sich in der Regel zweimal im Jahr reihum in einer ihrer Kirchengemeinden.
„Die Kirche muss zukunftsfähig bleiben“, betont auch der Reusrather Pfarrer Christoph Bleckmann – selbst bei schmerzhaften Einschnitten. So gab es vor zehn Jahren noch acht, heute nur noch sechs Pfarrstellen, außer dem Wiescheider Gemeindezentrum musste mit der „Arche“ jetzt auch ein evangelischer Kindergarten geschlossen werden und die Betriebskosten des Reusrather Gemeindehauses werden von einem Förderverein übernommen. Doch die vor drei Jahren beschlossenen Sparmaßnahmen entlasten heute spürbar den Haushalt der Evangelischen Kirchengemeinde Langenfeld, der – auf den kalkulierten Kirchensteuer-Einnahmen basierend – 2004 noch 4,2 Mio, 2005 etwa 4,1 Mio Euro und in diesem Jahr nur noch 3,9 Mio Euro betrug. Am Herzen liegen Bleckmann überdies die Perspektiven für den theologischen Nachwuchs: „Wir wollen doch nicht vergreisen!“
Seine Baumberger Amtsschwester Annemarie Becker bestätigt, dass zwar für die wenigen vakanten Stellen die Wartestand-Pfarrer – die beispielsweise aus dem Ausland oder nach der Familienphase in den Beruf zurück kehren wollen – bevorzugt vorgeschlagen werden. Doch die jungen Pfarrer zur Anstellung, für die derzeit nur fünf freie Stellen im Jahr angedacht sind, können sich nach Empfehlung der Kreissynode künftig immer wieder neu bewerben. Zudem will die EKD den Markt öffnen, so dass sich künftig auch Pfarrer aus dem übersättigten Rheinland beispielsweise in Hannover bewerben können, wo ab 2009 eine Unterdeckung droht.
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