Langenfeld/Monheim: Rathäuser: Raucher raus
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 03.01.2008Düsseldorf (RPO). In öffentlichen Gebäuden darf nicht mehr gequalmt werden. In Monheim müssen sich Verwaltungsmitarbeiter ausstempeln, bevor sie für eine Zigarette austreten. In Langenfeld können sie noch auf einen Raucherraum hoffen.
Wenn Rainer Fester morgens durch die Rathaustür geht, zu seinem Arbeitsplatz im Monheimer Tiefbauamt, kann er im doppelten Sinne tief durchatmen. „Rauchen verboten“ signalisiert dort seit gestern unübersehbar ein großer rotgerandeter Aufkleber mit durchgestrichener Zigarette. Vor einiger Zeit wäre das für den Verwaltungsmitarbeiter noch ein Problem gewesen, damals, als er sich 15 bis 17 Fluppen am Tag genehmigte. Doch Fester qualmt nicht mehr. Das zum Jahreswechsel in Kraft getretene Rauchverbot für alle öffentlichen Gebäude in NRW findet der frühere Nikotin-Süchtige prima: „Es ist ein Super-Gefühl, nicht mehr rauchen zu müssen.“
Jeder dritte raucht
Laut Bundesgesundheitsministerium raucht jeder dritte Erwachsene in Deutschland. Das durchschnittliche Einstiegsalter in den Zigarettenkonsum liegt bei etwa 13 Jahren. Jährlich sterben an den direkten Folgen des Rauchens etwa 140 000 Menschen. Hinzu kommen nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums rund 3300 Nichtraucher, die durch die Folgen des Passivrauchens sterben.
Entwöhnungs-Kursus besucht
Mit neun Kollegen machte Fester vor knapp zwei Jahren einen Entwöhnungskursus. „Wir sind mit einer Therapeutin der Frage nachgegangen, warum wir überhaupt rauchen“, beschreibt der 43-Jährige den psychologischen Therapie-Ansatz. Nach den zwei Seminar-Monaten legte er Glimmstengel und Feuerzeug beiseite, wurde aber ein halbes Jahr später wieder schwach. Dann ging er, er, dem der Tabak seit Jugendtagen schmeckte, den Entzug autodidaktisch an: mit dem Buch „Endlich Nichtraucher!“ Und bei diesem Anlauf klappte es: „Inzwischen ekelt mich das Rauchen an, kommen nach einem Kneipenbesuch die verqualmten Klamotten gleich in die Wäsche“, verdeutlicht Fester seine Abkehr vom Nervengift Nikotin.
Das sie ihm gelang, ist alles andere als selbstverständlich: „Ich bin der einzige aus der Gruppe damals, der es geschafft hat, alle anderen rauchen meines Wissens inzwischen wieder.“ Und das müssen sie jetzt vorm Rathaus tun. „Das Verbot gilt ausnahmslos im ganzen Gebäude“, unterstreicht Stadt-Sprecher Michael Hohmeier die strikte Monheimer Linie. Wiederholte Verstöße gegen die „Verfügung“ des Bürgermeisters könnten zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen. Und: Wer raucht, arbeitet nicht – „die Kollegen müssen sich ausstempeln, bevor sie das Rathaus für eine Zigarettenpause verlassen“.
In Langenfeld laufen zu dieser Frage noch „Verhandlungen“ mit dem Personalrat, berichtet Frank Kölzer vom verwaltungsinternen Organisationsteam. Auch ein Raucherraum stehe noch zur Debatte. Damit gilt das Verbot derzeit auch im Rathaus der Posthorn-Stadt ohne Ausnahme. Und auch unmittelbar davor wird das Quarzen zumindest nicht gern gesehen: „Der Bürgermeister wünscht nicht, dass sich Verwaltungsmitarbeiter zum Rauchen vorm Rathaus versammeln, dies mache einen schlechten Eindruck“, erzählt Kölzer. Wer „für eine Zigarette“ vor die Tür gehe, der möge sich nicht als Verwaltungsmitarbeiter zu erkennen geben.
Ob Zwang zum verschämten Schmoken oder Abzüge bei der Arbeitszeit – Ex-Raucher Fester glaubt an die heilsame Wirkung solcher strengen Regeln: „Vielleicht ist das der Tritt, den manche brauchen, um von der Kippe loszukommen.“
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