Langenfeld Monheim: Regeln, Rituale, Respekt
VON MARTIN MÖNIKES - zuletzt aktualisiert: 05.10.2006Düsseldorf (RPO). Gutes Benehmen ist wieder „in“. Schulen in Langenfeld und Monheim setzen auf klare Spielregeln. Auch die Tanzschulen profitieren von der neuen Sehnsucht nach angemessener Kleidung und höflichen Umgangsformen.
„Es ist mir wichtig, dass meine heranwachsenden Kinder Manieren lernen.“ Die Richratherin Eva Imhoff (48) ist froh, dass ihr 15-jähriger Sohn Kai die Tanzschule besucht. Korrekter Umgang mit dem anderen Geschlecht, vernünftige Begrüßungsabläufe und dem Anlass angemessene Kleidung sind einige der Themen, die – neben den Tanzschritten – dem Sohn helfen sollen, künftig „einen guten Eindruck“ zu hinterlassen. Auch Kai, der inzwischen die zweite Tanzstunde hinter sich hat, „findet den Kurs sinnvoll“, weil er ahnt, „dass gute Umgangsformen später weiterhelfen.“ Spaß machen ihm die wöchentlichen Tanznachmittage auch, schließlich ist er mit seiner ganzen Clique zusammen.
Knigge
Adolph Freiherr Knigge (1752 – 1796) wurde mit seinem soziologischen Aufklärungswerk „Über den Umgang mit Menschen“ bekannt. „Knigge“ steht daher als (Sammel-)Begriff für Benimmregeln und Umgangsformen.
Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrer Verband (ADTV) zog frühzeitig Schlussfolgerungen aus dem steigenden Bedarf, Elternhäuser beim Vermitteln guten Benehmens zu unterstützen und ergänzte prompt sein Angebot (siehe Interview). Dabei spielt vermutlich auch eine Rolle, dass pubertierende Jugendliche sich eher etwas von Dritten vermitteln lassen als von den eigenen Eltern.
Nicht in allen Elternhäusern wird auf gutes Benehmen geachtet, bedauert Lothar Schaub (59), Rektor der St. Martinus-Grundschule in Richrath. Spätestens in der Schule falle auf, wer bis dahin zu Hause noch nicht einmal die Grundregeln höflichen Miteinanders gelernt habe. Wertvolle Unterrichtszeit gehe verloren, wenn einige Kinder erstmals mit „Bitte, Danke, und Guten Tag“ vertraut gemacht werden müssen, oder, „damit, dass man einem anderen mal eine Tür aufhält“. Eine andere Lehrerin erinnert sich an eine Klassenfahrt mit neunjährigen Drittklässlern. „Das Essen war anfangs eine Katastrophe“. Am Ende der Woche war sie schließlich stolz darauf, dass die Kinder mit dem Essen warteten, bis alle etwas auf dem Teller hatten und das Besteck angemessen benutzten. „Die Kinder reichten sogar Schüsseln an, statt quer über’n Tisch zu langen“.
„Benehmen wird nicht in extra Kursen vermittelt“, verweist Dr. Hagen Bastian (52), Leiter des Monheimer Otto-Hahn-Gymnasiums auf die Schwerpunkte der weiterführenden Schulen. Dennoch seien Manieren im schulischen Alltag wichtig. „Regeln und Rituale (wie eine Begrüßung des Lehrers mit Namen zu Unterrichtsbeginn) fördern die Konzentration und sind hilfreich“. Oberstudiendirektor Bastian räumt ein, dass seine Schützlinge mindestens zu Teilen das notwendige Wissen von zu Hause mitbringen. Erfreut nimmt er das zunehmende Interesse am „Knigge“ zur Kenntnis (s. Info).
Kinder lernen überwiegend durch Vorbilder. Positiven Erlebnissen im Elternhaus stehen andererseits viele schlechte Beispiele gegenüber. So regt sich Bruno Kamp (59), Sprecher der Monheimer Bürgerinitiative „Berliner Viertel“ darüber auf, dass jede TV-Fußballübertragung den jungen Zuschauern „vor sich hin rotzende“ Sportler vorführt. Auch das Wegwerfen von Abfällen, das Zertrümmern von Flaschen führt er auf schlechte Vorbilder zurück. Sein Beruf als Küchenplaner führt Bruno Kamp immer wieder nach Bayern, und damit zu der aus seiner Sicht spannenden Frage, warum dort die öffentlichen Plätze und Wege sauberer sind als bei uns …
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