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Langenfeld: S-Bahn: Graffiti kostet Punkte

VON JÖRG JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 17.03.2010

Düsseldorf (RPO). Farbschmierereien und Probleme mit der Sauberkeit irrtierten Profi-Tester des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr am größten der beiden Langenfelder S-Bahnhöfe. Auch in Sachen Pünktlichkeit lässt die S 6 zu wünschen übrig.

Momentaufnahme gestern Nachmittag: Graffiti und zerstörte Fernsprecher im Tunnelzugang am S-Bahnhof Langenfeld-Mitte (Katzberg) trüben das Gesamtbild.  Foto: RPO
Momentaufnahme gestern Nachmittag: Graffiti und zerstörte Fernsprecher im Tunnelzugang am S-Bahnhof Langenfeld-Mitte (Katzberg) trüben das Gesamtbild. Foto: RPO

Sein Arbeitsgerät hält Karl V.* immer eng am Mann. "Ein Mini-Computer, auf dem ich überfüllte Müllbeutel, zerkratzte Vitrinenscheiben und chaotische Graffiti festhalten", sagt der 28-Jährige. Der Student ist im Nebenjob Tester für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Zwei Tage in der Woche tauscht er Bibliothek und Hörsaal gegen Zug-Waggons. Die beiden Langenfelder S-Bahnhöfe kennt V. wie seine Westentasche. Was er und seine Kollegen monieren, findet Eingang in den Stationsbericht des Verkehrsverbundes. Und dessen jüngste Ausgabe hält – zumindest für die größere der beiden Stationen am Katzberg – nicht nur schmeichelhafte Ergebnisse bereit. "Langenfeld-Rheinland ist keines meiner Sorgenkinder, aber besser geworden ist das Erscheinungsbild auch nicht. Vor allem Farbschmierereien und Kratzspuren beeinträchtigen das Erscheinungsbild", sagt der Tester.

Info

Meldesystem

Die Tester melden die Ergebnisse ihrer Tagestouren an der VRR. Von dort gelangen auffällige Beobachtungen rasch an die Deutsche Bahn. "Unser Ziel ist es nicht, die Bahn im gedruckten Bericht zu überraschen, sondern dafür zu sorgen, dass die Beeinträchtigungen im Sinne der Kunden schnell beseitigt werden", sagt Karl V.

Strenge Maßstäbe

In der Tat: Im soeben veröffentlichten Stationsbericht 2009 erhält die Katzberg-Station – wie schon 2008 – einen leuchtenden roten Punkt. "Die schlechteste der drei möglichen Wertungen, besser wäre gelb und natürlich grün", sagt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik. Freilich sind die Maßstäbe für dieses Farbschema streng. Bewertet werden Sauberkeit, Funktion, Graffiti – jeweils getrennt nach Zugangs- sowie Bahnsteigbereich. Vier Mal pro Jahr verteilen die Tester ihre Punkte. Am Ende wird ein Ganzjahresschnitt errechnet. "Nur bei mehr als 90 Prozent Zufriedenheit gibt es einen grünen, bei 83 bis 90 Prozent einen gelben und bei weniger als 83 Prozent bereits einen roten Punkt", erläutert Tkatzik.

Auch am besser bewerteten Berghausener S-Bahnhof sind die Wände entlang des Abstiegs besprüht. Foto: RPO

Die Suppe versalzen haben dem Langenfelder "Hauptbahnhof" vor allem die Graffiti genannten Attacken aus der Spraydose. Hier gab's gleich zweimal die rote Karte: für die Unterführung und für den Bahnsteig. Immerhin im mittleren Bereich landete die Sauberkeit. Vollständig im grünen Bereich sehen die Prüfer die Funktionalität. Ganz anders sieht das Bewertungsschema zum Bahnhof in Berghausen aus. Mit Blick auf den Bahnsteig (der Zugang spielt hier eine untergeordnete Rolle) erhalten Sauberkeit und Graffiti gelbe, die Funktionalität grüne Punkte.

Die Bahn, auf die die VRR-Testergebnisse zielen, leugnet die Probleme nicht. "In aller Regel versuchen wir relativ kurzfristig, Graffiti und andere Schäden zu beseitigen. Freilich spiegelt diese Form von Vandalismus auch ein gesellschaftliches Problem wider, an dem noch so rasche Ausbesserungsarbeiten nicht viel ändern", sagt der Deutsche-Bahn-Sprecher für NRW.

Aus Sicht der Pendler unerfreulich: Jenseits von überquellenden Mülleimern und Spray-Vandalen kämpft die hiesige S-Bahn-Linie noch mit einem weiteren Problem. Laut dem ebenfalls aktuell vorgelegten Qualitätsbericht für 2009 zählt die S 6 immer noch zu den unpünktlichen Zugverbindungen. Unmissverständlich heißt es in dem Bericht: "Die Einzelbetrachtung der S-Bahn-Linien zeigt hier ... bei den Linien S1, S6, S7 und S9 deutlich höhere Ausfallquoten als bei den Linien im RE- oder RB-Bereich." Daran hat auch der zum Jahreswechsel umgesetzte Teil des S-Bahn-Konzeptes für den Großraum Düsseldorf nichts geändert. "Die alten, dort bislang noch verwendeten Lokomotiven sind beispielsweise nicht in der Lage, Verspätungen rasch aufzuholen", sagt der DB-Sprecher und räumt ein, dass die S 6 eine Pünktlichkeitsquote von 95 Prozent (oder mehr) nicht erreicht. "Spätestens 2012 werden auch hier die neuen Elektrotriebwagen eingesetzt. Dann dürfte sich das Problem erledigen."

(* Karl V. muss als Tester unerkannt bleiben. Der volle Name ist der Redaktion bekannt.)

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www.rp-online.de/langenfeld

Quelle: RP

 
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