Langenfeld/Monheim: Schelmenturm nur 1 wert
VON THOMAS GUTMANN - zuletzt aktualisiert: 25.01.2007Düsseldorf (RPO). Die Städte arbeiten derzeit emsig an ihrer Eröffnungsbilanz für das Neue Kommunale Finanzwesen. Dafür müssen sie ihr gesamtes Eigentum bewerten, von der Kehrmaschine übers Straßen- und Kanalnetz bis zu den Gebäuden.
Doppik
Doppik ist ein Kunstwort aus der Betriebswirtschaftslehre, es steht für kaufmännische doppelte Buchführung in Konten Soll und Haben. Doppik ist die planmäßige und lückenlose Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle z.B. einer Kommune mit dem Ziel, jederzeit einen Überblick über die Vermögenslage und den Schuldenstand zu ermöglichen.
Mit der Umstellung auf die Doppik erwarten öffentliche Verwaltungen mehr Kostentransparenz und ein insgesamt effizienteres Arbeiten. Dabei soll auch von der zeitbezogenen Gebührenwirtschaft auf eine verursacherbezogene Kostenrechnung umgestellt werden.
Orkan Kyrill hat in beiden Städten herumgeholzt, doch Langenfeld hat er ärmer gemacht als Monheim. Denn während sich der Wald in der Gänseliesel-Stadt fast ausschließlich in Privateigentum befindet, gehört der sturmgeschädigte Forst in Langenfeld überwiegend der Stadt. Ab 1. Januar 2009 wird die Kämmerei der Posthorn-Gemeinde möglicherweise ausrechnen müssen, um wie viele Euro sie durch einen Turbo-Wind ärmer wurde: Zu diesem Stichtag nämlich müssen die Haushalte auf die kaufmännische Buchführung nach dem Neuen Kommunalen Finanzwesen (NKF) umgestellt worden sein. Beide Verwaltungen arbeiten derzeit emsig an ihrer Eröffnungsbilanz.
Eine Herkulesaufgabe
„Wir müssen das gesamte Vermögen der Stadt und alle Verbindlichkeiten in Euro bewerten“, beschreibt Langenfelds Kämmerer Detlev Müller die Herkulesaufgabe. Zum Vermögen gehören die etwa 240 Kilometer Straßen, Wege und Plätze ebenso wie das Kanalnetz, die zirka 200 stadteigenen Liegenschaften, aber auch die schätzungsweise 10 000 bis 15 000 beweglichen Güter, von der Kehrmaschine bis zum Leih-Gemälde in der Artothek. Jeder einzelne Stuhl wird aber nicht bewertet – sonst würden die mit der Erfassung beschäftigten städtischen Mitarbeiter in der Datenflut ertrinken: „In den Schulen zum Beispiel taxieren wir die Einrichtung klassenraumweise.“
Auf der Soll-Seite steht Langenfeld bekanntlich gut da: Nach der geplanten Komplett-Entschuldung im nächsten Jahr werden hier im wesentlichen nur noch die Pensionssicherungen verbucht sein, so dass der Kämmerer eine überaus positive Eigenkapitalquote erwartet: „Wir liegen mit Sicherheit über 66 Prozent“, einem Wert, dessen sich etwa Düsseldorf rühmt. Zum Vergleich: Hamburg kommt auf 8, München auf 56 Prozent. Absolut sind diese Metropolen natürlich um ein Vielfaches mehr wert als die rund 200 Millionen Euro, die Müller für Langenfeld prognostiziert.
Im mit etwa 95 Millionen Euro verschuldeten Monheim ist noch keine Gesamtkapital-Zahl in Umlauf, dafür ist die Gänseliesel-Stadt bei der Bewertung einzelner Objekte schon weiter. Während jedem Quadratmeter Grün ein Durchschnittswert von 50 Euro zugeschrieben wird, kommt der Schelmenturm kurioserweise nur auf einen Euro. Ein symbolischer Wert, denn das denkmalgeschützte Wahrzeichen darf laut NKF-Projektleiter Guido Krämer weder verkauft werden noch lassen sich mit ihm – jedenfalls bei seiner derzeitigen Nutzung – nennenswerte Einnahmen erzielen.
In Langenfeld ist der Wert des Schwimmbads bereits beziffert – weil es als Eigentum der Stadtentwicklungsgesellschaft mbH schon in einer Bilanz auftaucht. Die 774 000 Euro klingen wie ein Schnäppchen – „doch wer kauft schon ein Schwimmbad, für dessen Betrieb er jährlich 1,2 Millionen zuschießen müsste“, gibt Müller zu bedenken.
Dank der NKF werden die Kommunen ab 2009 wissen, wie viel ihr Eigentum im einzelnen wert ist. Dies schafft mehr Kostentransparenz, weil dann zum Beispiel der Wertverlust eines Gebäudes in die Kostenrechnung für ein Museum, eine Sporthalle, einen Kindergarten mit einfließen kann. Über die Steuerungseffizienz ist damit aber noch nichts gesagt. Müller: „Welcher Zuschuss für eine Stadtbibliothek oder ein Schwimmbad als angemessen gilt und wie dieser eventuell zu verringern ist, ob etwa durch eine Gebührenerhöhung oder eine Angebotsschmälerung, das wird auch beim NKF eine politische Entscheidung bleiben.“
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