Langenfeld: Stundenweise Mutter
VON VERENA KREBS - zuletzt aktualisiert: 07.02.2007Düsseldorf (RPO). Fünf Langenfelderinnen und vier Frauen aus Nachbarstädten erhielten im Kulturzentrum ihren Tagesmutter-Pass. An elf Samstagen qualifizierten sie sich fürs Wickeln, Ernähren und Erziehen.
Was motiviert eine Mutter zweieinhalbjähriger Zwillinge dazu, eine Ausbildung zur Tagesmutter zu beginnen, um täglich mehrere Stunden noch zusätzliche Kinder aufzunehmen? „Ach wissen Sie, ob man zwei oder vier Kinder zu Hause rumwuseln hat, das macht auch keinen großen Unterschied mehr“, antwortet Anke Hemmes lachend. Sie und die sieben anderen angehenden Tagesmütter sind sich einig: Kinder wachsen und gedeihen am besten unter viel gleichaltriger Gesellschaft.
So lassen sich die eigenen Kinder problemlos in den Job integrieren, was Andrea Wahl nach mehreren Jahren Berufstätigkeit besonders schätzt: „Ich wollte einfach auch noch ’was mehr von meinen eigenen Kindern haben“, erklärt die Mutter eines neun- und eines fünfjährigen Sprösslings: „So bin ich immer zu Hause und verdiene mir dazu noch ein kleines Taschengeld.“
Weitere Schulungen
Die Nachfrage von Betreuungsplätzen für unter Dreijährige ist ungestillt. Deshalb sucht die Stadt Langenfeld weiter nach Tagesmüttern oder auch -vätern. Seit zwei Jahren ist eine spezielle Qualifizierung von „Tagespflegepersonen“ deutschlandweit Pflicht. Sie kann nach den Sommerferien erneut bei der Volkshochschule erworben werden. Die Kosten für eine solche Qualifizierung trägt im Falle einer anschließenden Kindervermittlung über das Jugendamt die Stadt. Sonst wird eine Teilnahmegebühr von 185 Euro fällig. Auskünfte erteilt Frau Schütz unter % 794-392.
Doch diese Erkenntnis und Kinderliebe allein reichen noch lange nicht aus, um eine qualifizierte Tagesmutter zu werden. An insgesamt elf Samstagen erwarben die neun Frauen – eine war bei Vergabe der Zertifikate leider erkrankt – im vergangenen Halbjahr eine Fülle an Kompetenzen auf den unterschiedlichsten Gebieten.
Angefangen mit theoretischen, pädagogischen Modellen nach Piaget und dem altbekannten Sigmund Freud, über steuerliche und sonstige Rechte und Pflichten, Erste Hilfe und Ernährung, bis hin zu Kommunikations- und Konfliktlösungsmodellen. An einem lebendigen „Anschauungsobjekt“ können die von Kursleiterin Andrea Behr-Fischer gelehrten Fähigkeiten auch gleich in die Praxis umgesetzt werden: Die zweijährige Valentina, Tochter einer Teilnehmerin, für die der Babysitter kurzfristig absprang, braucht sich keine Sorgen um ihr Wohl machen.
Überhaupt scheinen sich die angehenden Tagesmütter ihrer Pflichten bewusst. „Es ist ein enormer Vertrauensbeweis, den uns die Eltern da erbringen“, erklärt Andrea Wahl während einer der durchaus lebendigen Diskussionen, die stets entstehen, wenn es um den Ruf ihres Metiers geht.
„Hier gilt das nicht mal als Beruf“
Sätze wie „Nur Rabenmütter geben ihre Kinder in fremde Hände“ gehen den acht Frauen gewaltig gegen den Strich. Überhaupt sei ihre Tätigkeit in Deutschland zu wenig anerkannt. „In Deutschland muss in dieser Hinsicht dringend umgedacht werden“, findet Britta von Müller: „Hier gilt das, was wir tun, noch nicht einmal als Beruf.“
Vielleicht trifft ja auch hier die im letzten Unterrichtsmodul erworbene Erkenntnis zu: „Keiner ist für das Problem verantwortlich, aber alle sind es für die Lösung.“
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