Langenfeld: Unser Senf zum Wochenende
zuletzt aktualisiert: 02.08.2008Düsseldorf (RPO). Dünchheims öffentliches Zögern bei der Frage, ob er im Juni 2009 für eine dritte Amtszeit als Monheimer Bürgermeister kandidiert oder doch lieber am großen Rad einer global agierenden Top-Kanzlei mitdrehen will, ist inzwischen ein Spiel mit dem Feuer. Keines, das er selbst auszubaden hätte. Wohl aber jene Partei, deren Mitgliedsbuch (noch) bei ihm zu Hause in der Schreibtisch-Schublade liegt. Natürlich ist es zu allererst seine Sache, ob er mit bald 40 Jahren seinem (Berufs-)Leben noch einmal die entscheidende Wende gibt. Allerdings dürfen seine politischen Mitstreiter von ihm erwarten, dass er die Dinge korrekt kommuniziert. Und korrekt heißt hier: Die Wahlaussichten eines möglichen CDU-Nachfolge-Kandidaten sowie die seiner Partei dürfen keinen Schaden nehmen. Doch genau das geschieht. Indem Dünchheim wasserdichte Dementis vermeidet, sich kess bis Januar alles offen hält, hat er – gewollt oder ungewollt – die Büchse der Pandora geöffnet. Peto und Liberale liebäugeln plötzlich mit eigenen Kandidaten, nicht wenige an der SPD-Basis kokettieren damit, gegen einen blassen CDU-Ersatz-Kandidaten möglicherweise doch die aussichtsreichere Ex-Parlamentarierin Lilo Friedrich ins Rennen zu schicken.
Am Ende könnt’s dann tatsächlich doch noch eng werden für den C-Partei-Kandidaten des Jahres 2009. Denn Peto und FDP schnappen vor allem ihm die bürgerlichen Stimmen weg. Zur Erinnerung: 2009 reicht bei der Bürgermeister-Wahl eine einfache (relative) Mehrheit bereits im ersten Wahlgang. Eine populäre Ex-MdB könnte es möglicherweise schaffen, den Dünchheim-Ersatz-Mann aus den Reihen der CDU mit 35,6 zu 34,9 Prozent auf die Plätze zu verweisen... JÖRG JANSSEN
Erst Karstadt, jetzt Hertie – der Name ist anders, die Ungewissheit bleibt. Nach dem Insolvenzantrag der Warenhaus-Kette müssen einem die etwa 60 Mitarbeiter der Langenfelder Filiale leid tun: nicht, weil sie von vornherein keine Zukunft mehr in „ihrem“ Stadtmitte-Kaufhaus hätten, sondern weil ihnen seit nunmehr vier Jahren zumindest emotional immer wieder der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Verliere ich jetzt meinen Job? Diese Frage kann wenigstens ältere Arbeitnehmer, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben, in eine Lebenskrise stürzen. Langenfelder wie die Vertreter von St. Josef, direkte Nachbarn von Hertie, wissen darum und bekunden ihre „Solidarität“ mit den Kaufhaus-Mitarbeitern.
Solche Gesten sind wichtig, denn alles hat seine Stunde. Genauso wichtig ist aber auch ein kühler Kopf. Der kommt zu dem Schluss: Von den 73 Herties zählt Langenfeld gewiss nicht zu den schäbigen Filialen, die die britischen Eigentümer jetzt haben die Notbremse ziehen lassen. Sollte es also nicht zum Total-Ausverkauf von Hertie kommen, dürfte das hiesige Haus eine reelle Überlebenschance haben. Und: Die Einkaufsstadt Langenfeld ist mit Stadtgalerie, renovierter Hauptstraße und Marktkarree für die Shopping-Zukunft gerüstet. Untergangsgesänge sind deshalb – Hertie hin oder her – gerade an diesem blühenden Handelsort fehl am Platz. THOMAS GUTMANN
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