Langenfeld: Unser Senf zum Wochenende
zuletzt aktualisiert: 20.12.2008Düsseldorf (RPO). Desaströs. Anders kann man die Art, wie Monheims Christdemokraten den Übergang zu einem möglichen neuen Bürgermeister gemanagt haben, einfach nicht nennen. Gut gemeint ist eben lange noch nicht gut gemacht. Das Kalkül des scheidenden Bürgermeisters Thomas Dünchheim: Erst in dem Moment, in dem die CDU einen guten Nachfolge-Kandidaten präsentiert, gibt er seinen Wechsel in die renommierte Top-Kanzlei Lovells bekannt. Doch alles kam anders. Der Plan, durch einen so inszenierten Übergang ein Auseinanderfliegen der Partei zu vermeiden, ging komplett daneben. Möglicherweise keine äußere, sehr wohl aber eine innere Spaltung ist die Folge. Denkbar ist, dass jene, die den erst kürzlich in die CDU eingetretenen jungen Mann aus Wülfrath nunmal nicht wollten, einen halbherzigen Wahlkampf führen. Vielleicht auch gar keinen.
Bereits der Vorlauf ging daneben. Was irgendwann jeder wusste: Dünchheim geht. Doch aus den genannten taktischen Gründen durfte oder wollte er das nicht offiziell sagen. Nach seiner Lesart aus Loyalität gegenüber der Partei. Die Gegner sagen: Durch seine Nicht-Bestätigung habe er bis zuletzt den Daumen drauf halten wollen. Mitbestimmen wollen, wer ihn, den Rhetorik-Profi, das Arbeitstier, den Ehrgeizigen – so denn die Wähler mitspielen – im kommenden Sommer beerbt. Auf die Bürger wirkte das skurril. Dünchheims Eiertanz war Gegenstand von Witzen und fand sogar Eingang in Emil Drössers wunderbare Heimat-Operette.
Nicht besser wurde es, als das Kandidaten-Karussell so richtig in Gang kam. An die 40 Namen machten die Runde. Darunter bekannte wie Helmut Heymann oder die talentierte Marion Prell aus der erfolgreichen Nachbarstadt. Doch die großen Kaliber wollten oder konnten nicht. Der CDU rann die Zeit davon.
Unter die Rubrik „geht gar nicht“ fällt die Schlussetappe. Glaubte die Führungstruppe wirklich, den erklärungsbedürftigen Kandidaten montags vorstellen und mittwochs ohne jeden Reibungsverlust abnicken lassen zu können? Tim Brühland, der sich sein Dementi-Taktieren am Freitag vergangener Woche im Sinne der eigenen Glaubwürdigkeit besser geschenkt hätte, brauchte Vorlauf, um sich, sein Wesen, sein Politikverständnis zu erklären. Statt dessen muteten die Strippenzieher dem 31-Jährigen einen Coup zu. Mit allen erdenklichen Mitteln wurde gekämpft, um eine schon seit längerem denkbare Kandidatur der politisch aktiven Mutter und Anwältin Marion Prondzinsky-Kohlmetz um beinahe jeden Preis zu verhindern.
Was wird nun aus der 41-Jährigen? Die Partei sollte sich hüten, sie als angebliche Verräterin zu mobben. Klug wäre dagegen eine Art Hillary Clinton-Effekt. Denn nach ihrer Beinahe-Wahl ist Prondzinsky (mindestens) die zweitmächtigste Christdemokratin vor Ort. Ohne ihre Einbindung wird es für Brühland doppelt schwer.
Hat die CDU, deren Bürgermeister mit eindrucksvollen 66 Prozent zuletzt wieder gewählt wurde, die Chance auf einen Wahlsieg verspielt? Denkbar ist es. Aber nicht ausgemacht. Erst der Wahltag ist bekanntlich der Zahltag.
JÖRG JANSSEN
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