Langenfeld: Vier Tote in Reusrath
VON STEFAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2012Langenfeld (RP). Ein Langenfelder (34) steht unter Verdacht, sich und seine Familie umgebracht zu haben. Die Leichen des Mannes, seiner Frau und der beiden Kinder wurden gestern nach einem Feuerwehreinsatz über dem Rewe-Markt entdeckt.
Vier Tote nach einem Wohnungsbrand an der Opladener Straße 120: Christoph Crahs hatte gleich ein merkwürdiges Gefühl, als er den Feuerwehreinsatz gestern gegen 7 Uhr bemerkte. Der Inhaber des benachbarten Frisiersalons erinnerte sich sofort, dass es in dem Wohn- und Geschäftshaus mit dem Rewe-Markt im Erdgeschoss erst im Oktober 2011 gebrannt hatte – und dann noch in der selben Wohnung. Das kann eigentlich kein Zufall sein, mutmaßte der 49-Jährige.
Große Bestürzung
Mit Bestürzung reagierten er und andere Nachbarn auf die Nachricht vom Tod der jungen Familie, die seit circa drei Jahren an der Opladener Straße lebte und vielen Menschen in Reusrath zumindest vom Sehen her bekannt war: der 34-jährige Vater, der selbständig in der Computerbranche tätig gewesen sein soll, seine 33-jährige Frau asiatischer Herkunft, der fünfjährige Sohn und das neun Monate alte Nesthäkchen, ein Mädchen.
Duplizität
Eine merkwürdige Parallele ergibt sich zwischen dem Brand gestern und jenem an selber Stelle am 24. Oktober: Beide Male brach das Feuer am frühen Morgen aus.
Im Oktober waren indes keine Ungereimtheiten festgestellt worden. Laut Polizei habe die Hausratsversicherung der Familie den Schaden damals anstandslos reguliert; Hinweise auf eine Straftat habe es nicht gegeben.
Und die Bestürzung wuchs, nachdem sich herumsprach, dass der 34-Jährige mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst für den Ausbruch des Feuers und den Tod seiner Angehörigen verantwortlich ist und sich vermutlich auch selbst das Leben genommen hat. Für die ermittelnde Mordkommission und Staatsanwaltschaft in Düsseldorf gibt es eine Reihe von Indizien, die auf eine Täterschaft des Mannes hindeuten, auch wenn sich Polizeisprecher Frank Sobotta zu Hintergründen und möglichem Motiv vorerst nicht näher äußern wollte. Eine Einwirkung von außen habe sich jedenfalls nicht feststellen lassen.
Fakt ist, dass der 34-Jährige im Internet einen langen Abschiedsbrief hinterlassen hat. Auch im Auto der Familie wurden Gegenstände gefunden, die laut Polizei den Verdacht gegen den jungen Familienvater stützen. Der Mann hatte zuvor im Briefkasten eines Bekannten seinen Autoschlüssel und einen Hinweiszettel mit dem Verweis "Alles Weitere auf dem Beifahrersitz" hinterlassen.
Nachforschungen im Umfeld
Aufschluss über die genauen Umstände der Tragödie soll die gerichtsmedizinische Untersuchung der Toten geben. Sie wurden gegen 11 Uhr in zwei weißen Leichenwagen zur Obduktion nach Düsseldorf gebracht. Die Ermittler forschten gestern zudem im Freundes- und Bekanntenkreis der Opfer nach möglichen Auffälligkeiten und eventuellen Problemen des Ehepaares.
Während des Feuerwehreinsatzes unter Leitung von Marcus Jagieniak sperrte die Polizei die Opladener Straße (B 8) in Höhe der Nummer 120 zeitweise komplett; im Laufe des Vormittags konnte der Verkehr zumindest in Richtung Opladen wieder fließen. Auf dem Bürgersteig wiesen große Mengen Glassplitter auch gegen Mittag noch auf die Tragödie hin – die Feuerwehr hatte für den Einsatz ein Fenster im zweiten Obergeschoss aufgebrochen.
Der Betrieb im Rewe-Supermarkt lief unterdessen weiter – trotz des beißenden Geruchs nach Rauch, der auch Stunden nach dem Drama noch in der Luft hing.
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