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Wiescheid: Wasserburg öffnet sich

VON STEPHAN MEISEL - zuletzt aktualisiert: 18.05.2010

Düsseldorf (RPO). Am Pfingstmontag können Besucher von 14 bis 18 Uhr einen Blick hinter die Mauern von Haus Graven werfen; als Vorgeschmack auf die geplante kulturelle Nutzung. Zugänglich ist aber nur der Burghof, nicht das Gebäude.

Der zurzeit noch mögliche Durchblick vom Spazierweg zur Wasserburg wird bald wieder von Blattwerk zugewuchert sein.  Foto: RPO
Der zurzeit noch mögliche Durchblick vom Spazierweg zur Wasserburg wird bald wieder von Blattwerk zugewuchert sein. Foto: RPO

Warum zur Besichtigung von Ritterburgen in die Ferne schweifen, wenn doch eine im Stadtgebiet ganz nahe liegt? Die meisten Langenfelder haben indes die Wasserburg Haus Graven noch nie betreten, kennen allenfalls die Außenmauern von Spaziergängen – wobei dichtes Blattwerk diesen Blick in den wärmeren Monaten kaum zulässt. Nach vielen Jahren, in denen nur wenige Ausgewählte das ansonsten verschlossene Zugangstor passieren durften, öffnet sich der Burghof am Pfingstmontag vier Stunden lang für die Allgemeinheit. Der vor einem Jahr gegründete Förderverein Wasserburg Haus Graven, der sich für eine kulturelle Nutzung des historischen Bauwerks einsetzt, möchte bei dieser Gelegenheit für seine Sache werben.

"Der Burghof wirkt viel freundlicher, heller und bunter als es von außen den Anschein hat", sagt der Vereinsvorsitzende Lothar Marienhagen. Bei Getränken und Akkordeonklängen könne sich ein jeder am Montag von 14 bis 18 Uhr selbst ein Bild davon machen. Mangels Parkplätzen an der Wasserburg sollten Besucher mit dem Fahrrad kommen oder aber ihr Auto beim Segelflugplatz am Graf-von-Mirbach-Weg abstellen. Mit seinen Vorstandskollegen hofft Marienhagen auf viele Pfingstausflügler, auch wenn die Räume nicht betreten werden dürften. "Eine Innenbesichtigung ist leider nicht möglich, weil die Eigentümerin erst die Nutzung geklärt sehen möchte."

Info

Geschichte

Im 13. Jahrhundert erbaut, war die Wasserburg Stammsitz der Ritter von Graven.

Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) wurde die Vorburg 1656 wieder aufgebaut.

1974 kaufte der Innenarchitekt Ewald Krömer die Burg vom Grafen Mirbach zu Harff. Sie wurde als Produktionsstätte von Wandteppichen genutzt und für Konzerte geöffnet.

1994 erwarb ein Immobilienfonds Haus Graven, ließ es renovieren und für Wohnzwecke herrichten.

Seit vier Jahren steht die Wasserburg leer.

Die Erbin des letzten Eigentümers bietet sie der Stadt zunächst für zehn Jahre zur kulturellen Nutzung an. 2009 gründete sich ein Förderverein. Der Stadtratsbeschluss steht noch aus.

Seit Mitte 2008 trieb der damalige Bürgermeister Magnus Staehler die Idee voran, die seit vier Jahren leer stehende Vorburg des einstigen Rittersitzes in eine öffentlich zugängliche Stätte für Kunstausstellungen und weitere Kulturaktivitäten zu verwandeln. Der Testamentsvollstrecker des gestorbenen vormaligen Eigentümers hatte der Stadt den U-förmigen Bruchsteinbau für zehn Jahre mietfrei angeboten, sofern sie die Kosten für Einrichtung und Betrieb übernimmt sowie Parkplätze schafft. Im Kulturausschuss befürworteten die Stadtpolitiker zwar im Mai 2009 das Vorhaben einer Öffnung und kulturellen Nutzung, schienen grundsätzlich auch mit dem Konzept - Kunstausstellungen, Konzerte, Feste, Seminare, Café - einverstanden zu sein, vertagten aber wegen noch offener Fragen eine Beschlussempfehlung für den Rat. Marienhagen hofft, dass noch vor den Sommerferien der Faden wieder aufgenommen wird.

Mehrere Ausstellungsräume

Doris Wasserrab-Noelte von der städtischen Bauaufsicht, die zugleich dem Vorstand des Fördervereins angehört, hält Kunstausstellungen in mehreren Räumen auf gut 300 Quadratmeter im Erd- und Obergeschoss für möglich. In einem Saal könnten Bilder über einen längeren Zeitraum präsentiert werden, in einem anderen seien Wechselausstellungen sinnvoll. "Außerdem soll im ersten Stock die Geschichte von Haus Graven dargestellt werden."

Vereins-Schatzmeister Gregor Wiel betont, dass die Stadt in dem Mietvertrag mit zehn Jahren Laufzeit und Verlängerungsoption nur die reinen Betriebskosten übernehmen müsse, nicht etwa zusätzlich noch Sanierungskosten. Die Gelegenheit, die Wasserburg kulturell zu nutzen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sei insofern äußerst günstig. Daher sollte nach Wiels Ansicht der Vertrag möglichst bald unterschrieben werden. "So lange das nicht geschehen ist, besteht ein Restrisiko, dass die Eigentümerin doch noch einen Käufer findet." Wodurch das günstige Angebot hinfällig würde.

Quelle: RP

 
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