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Monheim: "Wir wollen die Mieter halten"

VON DORIAN AUDERSCH - zuletzt aktualisiert: 03.08.2009

Düsseldorf (RPO). Rund 12 000 Monheimer – ein Viertel der Stadtbevölkerung – leben in Wohnungen der inzwischen verkauften Landesentwicklungsgesellschaft. Mieterhöhungen und Sanierungsstau sorgen für Frust bei den Menschen.

Seit mehr als 30 Jahren im Einsatz für Mieter und Menschen: der pensionierte Maurer-Polier und Mieterbeirats-Boss Martin Belger.  Foto: RPO
Seit mehr als 30 Jahren im Einsatz für Mieter und Menschen: der pensionierte Maurer-Polier und Mieterbeirats-Boss Martin Belger. Foto: RPO

Als Silke Schmidt (Name geändert) im Februar Post von der LEG bekommt, ist der Schock groß. Denn das mehrseitige Schreiben informiert die Frau aus dem Berliner Viertel unerwartet über eine erhebliche Erhöhung der Grundmiete. Seit dem 1. Mai muss Schmidt für ihre Wohnung an der Friedenauer Straße 41,02 Euro zusätzlich im Monat berappen – immerhin knapp ein Euro mehr pro Quadratmeter. Schmidt ist nicht die einzige unter den rund 12 000 in (ehemaligen) LEG-Wohnungen lebenden Monheimern, die beunruhigt ist. Auch wenn sich der Miet-Zuschlag an gesetzliche Vorgaben hält und mit dem Mietspiegel gerechtfertigt werden kann, steigt der Unmut gegenüber einer, nach Angaben der Landesregierung von den Whitehall Real Estate Funds "dominierten" Käufer-Gruppe, um deren genaue Struktur es in jüngster Zeit einige Irritationen gegeben hatte.

Info

Die Sozialcharta

Schutz Laut LEG und Landesregierung wird die beim Verkauf der Wohnungen vereinbarte Sozialcharta eingehalten. Der Kaufvertrag soll den Mietern verschiedene Schutzrechte bieten und langfristig die Interessen der Bewohner sowie der LEG-Beschäftigten wahren. Die Umsetzung der Sozialcharta sei umfassend abgesichert. Bei einem Verstoß drohen hohe Geldstrafen.

Wortlaut Die Charta kann im Wortlaut unter www.leg-nrw.de nachgelesen werden.

"Kann man auch woanders hin"

Wer sich im Stadtteil umhört, stellt fest: Viele Mieter im Berliner Viertel denken ein Jahr nach dem Verkauf der LEG ernsthaft über einen Umzug nach. "Ich konnte es zuerst nicht glauben", klagt eine 26-jährige Mieterin, die seit knapp acht Jahren in einer LEG-Wohnung lebt. "Wenn bisher die Miete erhöht wurde, ging es dabei immer nur um ein paar Euro zusätzlich im Monat. Mehr als 40 Euro auf einen Schlag zu verlangen, ist meiner Meinung nach eine Frechheit. Für das Geld kann ich auch woanders hin."

Eine Meinung, die Martin Belger in den letzten Monaten oft zu hören bekommen hat. Seit mehr als 33 Jahren engagiert sich der 67-jährige Mieterbeiratsvorsitzende ehrenamtlich als Vermittler zwischen den Mietern und der LEG. Er befürchtet, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. "Da kommen in den nächsten Jahren sicherlich noch weitere Erhöhungen", glaubt er. "Whitehall und die anderen werden die gesetzlichen Vorgaben und die bei dem Kauf vereinbarte Sozialcharta bis an die Grenzen des Erlaubten ausreizen. Da geht es nur noch um den Profit."

Ihr soziales Engagement, wie die Beteiligung am Aktionsmobil (unser Bild), möchte die LEG beibehalten. Foto: RPO

Das parallel zu den Mieterhöhungen offenbar Investitionen in Instandhaltung und Modernisierung gekürzt wurden, verärgert ebenfalls viele Mieter. An der Brandenburger Allee hatten einige Wohnungen kurz vor dem Eigentümerwechsel noch ein neues Badezimmer und eine zeitgemäße Wärmeisolierung bekommen. Inzwischen liegen nach Einschätzung des Beirats weitere Projekte in diesem Bereich auf Eis. "Die Modernisierungen betreffen bisher nur ein paar Häuser", betont Belger. "Eigentlich war das für die gesamte Straße geplant."

"Viele haben Angst"

Beate Nowacki lebt seit mehr als 21 Jahren im Viertel. Sie kam zwar noch in den Genuss eines neuen Badezimmers, doch nach einem Zuschlag von insgesamt mehr als 56 Euro pro Monat ist auch sie auf der Suche nach einem neuen Heim. "Ich gehe arbeiten für nichts und wieder nichts", seufzt die 43-jährige. "Eine Freundin von mir muss sogar 70 Euro mehr im Monat bezahlen. Die meisten Menschen hier sind enttäuscht und viele haben Angst, dass sie ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können." Dass die Erhöhungen deutlich unter den zulässigen 20 Prozent in drei Jahren bleiben und sich im Rahmen der vom Land und dem Käufer vereinbarten "Sozialcharta" bewegen, tröstet kaum – der Frust bei den Mietern sitzt tief.

LEG-Sprecher Jens Schönhorst schließt für die Zukunft weitere Anpassungen der Miete nicht aus. "Wir sind als Immobiliengesellschaft am Markt tätig mit allem, was dazu gehört. Mieterhöhungen sind dabei ein ganz normaler Vorgang", betont er. Auf keinen Fall wolle die LEG ihre Mieter vergraulen will. "Es gilt nach wie vor der Grundsatz einer langfristigen Planung. Ziel ist, möglichst keine Wohnungen leer stehen zu lassen. Deswegen liegt es in unserem Interesse, die Mieter zu halten."

Quelle: RP

 
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