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Monheim: Zankapfel CO-Pipeline

VON PETRA CZYPEREK - zuletzt aktualisiert: 24.04.2010

Düsseldorf (RPO). Bayer-Vertreter, Landtagskandidaten, Bürgerinitiativen, Landrat, Bürgermeister und Verbandsvertreter diskutierten beim "RP Moment mal" zur CO-Pipeline im Otto-Hahn-Gymnasium. Rund 350 Menschen kamen.

Sie kamen aus Duisburg, Krefeld-Uerdingen, Ratingen, Erkrath, Hilden, Langenfeld und Monheim: Rund 350 Zuhörer, die entlang der geplanten Trasse für den Transport des giftigen Gases wohnen, verfolgten aufmerksam – teilweise mit emotionalen Zwischenrufen – die von der Rheinischen Post veranstaltete Podiumsdiskussion in der Aula des Otto-Hahn-Gymnasiums am Berliner Ring. "Die CO-Pipeline: Unkalkulierbares Risiko oder Notwendigkeit für den Industriestandort?" lautete der Titel. Das Podium war mit hochrangigen Bayer-Vertretern, Anti-Pipeline-Aktivisten und politischen Vertretern besetzt. RP-Redakteur Jörg Janßen moderierte den mehr als dreistündigen Schlagabtausch.

Zweistelliger Millionenbetrag

Zunächst bezogen alle Teilnehmer noch einmal Position: Dr. Tony van Osselaer vom Vorstand der Bayer Material Science (BMS) bekräftigte, für den Konzern gebe es keine Alternative zur Pipeline. Bayer habe bereits einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investiert. Durch den Verbund sollten die Standorte am Rhein gestärkt und Arbeitsplätze gesichert werden. Auch die geplante zweite Herstellungsanlage für Kohlenmonoxid in Dormagen mache die Gasleitung nach Uerdingen keinesfalls überflüssig, machte Werner Breuer (Projektleiter CO-Pipeline) die Hoffnungen der Landtagskandidaten Helmut Konrad (Grüne) und Hans-Dieter Clauser (CDU) zunichte. Im Gegenteil: Sie sei auch dann notwendig, wenn anders als in den Ursprungsplanungen angenommen, künftig sehr viel mehr Kohlenmonoxid vor Ort in Dormagen benötigt werde. Tenor: Überschüsse wird es auch in diesem Fall geben; ein Verbund mit Uerdingen bleibe nötig, um Kapazitäten jeweils dorthin zu lenken, wo sie gerade gebraucht würden.

Info

Auf dem Podium

Mit dabei in der Aula waren Dr. Tony van Osselaer (Mitglied des Vorstandes von Bayer Material Science/BMS), Dr. Jürgen Hinderer, Chefingenieur BMS, Pipeline-Projektleiter Werner Breuer (BMS), der Geschäftsführer der Chemischen Industrie in NRW Hans-Jürgen Mittelstädt, die Anti-Pipeline-Aktivisten Dieter Donner (Koordinator), Erwin Schumacher (Monheim) und Erich Hennen (Technischer Experte), Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto), der Landrat des Kreises Mettmann Thomas Hendele (CDU), der Nordrhein-Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie Reiner Hoffmann sowie die vier Landtagskandidaten.

Die Vertreter der Initiative veranschaulichten mit selbst gedrehtem Material und dem Ausschnitt einer Fernsehdokumentation die Serie der Pleiten, Pannen und Nachbesserungen rund um die Pipeline. Sie warfen Bayer vor, Profit auf Kosten der Bevölkerung zu machen und die Sicherheit zu vernachlässigen. "Die Planung war falsch, die Bauausführung miserabel", erklärte Erich Hennen (Technischer Experte der Pipeline-Gegner aus Duisburg). "Wir sprechen Ihnen die Kompetenz ab, so eine Leitung zu betreiben. Das ist lebensgefährlich."

"Sicherheit zuerst"

Den Vorwurf wies van Osselaer strikt zurück: "Bei uns kommt Sicherheit immer zuerst." Hennen konterte: "Was sie an Märchen erzählen, ist beängstigend." Und bezogen auf die Nachbesserungen bei den Geogrid-Matten sagte er: "Ich habe eine im Auto. Wer gleich mit rauskommt, kann sie mit den Händen zerreißen. Die hat null Wirkung." Natürlich ließen sich die Matten zerstören, so Dr. Jürgen Hinderer (Chef-Ingenieur BMS): "Sie sollen ein Warnhinweis sein."

Frank Noack (FDP) sprach sich auf dem Podium als einziger Landtagskandidat im Grundsatz für die Pipeline aus. "Der Landtag hat 2006 einstimmig zugestimmt. Die Trassenführung ist von der Bezirksregierung genehmigt worden." Birgit Alkenings (SPD): "Ich verstehe, dass Sie produzieren müssen. An den Standorten lässt sich CO auch beherrschen. Aber warum muss es transportiert werden?" Helmut Konrad erklärte: "Bayer will betriebswirtschaftlich verdienen. Wir müssen das Risiko tragen." Und Hans-Dieter Clauser erinnerte an bisher rund 70 Änderungen im Planfeststellungsverfahren. Ob bei der Suche nach Bomben- und Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg oder der Dicke der Rohre – überall werde nachgebessert. "Das schafft kein Vertrauen in der Bevölkerung."

Quelle: RP

 
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