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Monheim: Zivilcourage gegen Gewalt

VON DORIAN AUDERSCH - zuletzt aktualisiert: 18.10.2006

Düsseldorf (RPO). Über Jugendkriminalität in Monheim sprachen Erich Olinger von der Kriminalpolizei und Sozialarbeiter Hans-Peter Reich bei einem Informationsabend des katholischen Sozialverbands KKV.

Info

Jugendkriminalität

In Deutschland werden alle Straftaten von registrierten Tatverdächtigen im Alter von acht bis 21 Jahren unter dem Begriff Jugendkriminalität zusammengefasst. Ausgenommen sind Übertretungen im Bereich der Ordnungswidrigkeiten. Drei bis sechs Prozent der jugendlichen Tatverdächtigen fällt Statistiken zufolge durch wiederholte Begehung von Straftaten auf.

Sie prügeln sich für Handy-Videos, klauen in Kaufhäusern und tragen nicht selten Waffen bei sich. Sie sind skrupellos, gewalttätig und machen damit Schlagzeilen. So entsteht der Eindruck, die Jugendkriminalität steige unaufhaltsam. Dem widersprach der Informationsabend des katholischen Sozialverbands KKV zum Thema „Wird die Jugend in Monheim immer gewalttätiger?“ im Franz-Boehm-Haus. „In den letzten Jahren ist die Straffälligkeit von Jugendlichen nicht erheblich gestiegen. Die Kriminalitätskurve geht nicht steil nach oben, sie verläuft eher in einer Wellenform“, erklärte der Sozialarbeiter Hans-Peter Reich dem Publikum. Die Dimension der Gewalt habe sich jedoch verändert. „Früher gab es vergleichsweise harmlose Prügeleien. Heutzutage werden Konflikte mit Messern oder anderen Waffen ausgetragen.“

Verstöße gegen Urheberrecht

Einen besonders dramatischen Anstieg der Gewalt unter Jugendlichen kann auch Erich Olinger von der Kriminalpolizei Monheim nicht feststellen. „Die einzigen Delikte, die sich häufen, sind Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Urheberrecht.“ Gemeint sind damit illegal heruntergeladene Daten aus dem Internet, wie zum Beispiel Kinofilme oder MP3-Dateien. „Auch hierbei handelt es sich um Jugendkriminalität“, betont der Beamte. Beides seien jedoch so genannte Kontrolldelikte, die nur im Falle von Kontrollen auffielen.

„Natürlich gibt es auch unter den Jugendlichen notorische Wiederholungstäter, die es einfach nicht lassen können“, ergänzte Hans-Peter Reich. „In solchen Fällen ist die kriminelle Karriere vorgezeichnet. Aber diese sind doch eher selten.“ Er nennt dabei den Fall eines 16 Jahre alten Mädchens, das immer wieder durch Gewaltdelikte auffällt. Innerhalb von sechs Monaten ist sie zwölf Mal wegen Körperverletzung aufgefallen. „Bei solch uneinsichtigen Tätern bleibt als letztes Mittel oft nur der Arrest.“ Als eine Mutter fragt, was man tun kann, um solche Fälle zu vermeiden, appellieren beide Referenten an die Gesellschaft und die Eltern. Grade letztere seien zu oft desinteressiert. „Es ist nicht selten, dass weder der Angeklagte noch dessen Eltern vor Gericht erscheinen“, so Olinger. „Manche sind einfach überfordert mit der Situation oder wollen es nicht wahrhaben.“ Den Tätern fehle oft jedes Unrechtsbewusstsein.

„Jeder Einzelne gefordert“

„Hier ist auch jeder Einzelne gefordert“, fügt Hans-Peter Reich hinzu. „Wenn die Menschen öfter einschreiten würden, wenn sie kritische Szenen zwischen Jugendlichen beobachten, wäre damit schon viel getan. Zivilcourage ist sehr wichtig. Allerdings sollte man sich nicht in Situationen begeben, wo man selbst in Gefahr gerät.“

Ein weiteres Mittel zur Vorbeugung seien zum Beispiel Anti-Aggressions Programme an den Schulen. „Es ist immer leicht auf die Jugendlichen zu schimpfen, aber die sind oft ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn die Eltern zum Beispiel zu schnell fahren, oder den Konsum von weichen Drogen herunterspielen, ist klar, dass auch die Kinder anfangen, Grenzen zu überschreiten“, fasst Erich Olinger zusammen. „Außerdem handelt es sich bei den auffälligen Jugendlichen um eine absolute Minderheit.“

Quelle: RP

 
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