Badminton: Das Tauziehen
VON MICHAEL DEUTZMANN - zuletzt aktualisiert: 20.03.2007Fabienne Deprez vom FC Langenfeld ist die beste deutsche Nachwuchsspielerin. Für die Europameisterschaften wurde die 15-Jährige trotzdem nicht nominiert. Der Verband vermisst die Zusammenarbeit, der Verein ist empört.
Badminton ist ein faszinierender Sport. Die folgende Geschichte hat sogar mehr, denn sie klingt unglaublich. Inhalt: Die beste deutsche Nachwuchsspielerin nimmt nicht an den Europameisterschaften teil. Fabienne Deprez (FC Langenfeld/FCL) muss bei den Titelkämpfen vom 31. März bis 8. April in Völklingen (Saarland) zuschauen. Die 15-Jährige gewann kürzlich bei den Deutschen Meisterschaften überlegen auch den Titel im Damen-Einzel U 19. Trotzdem ist der Weg ins Nationalteam verbaut. Fabienne arbeitet nicht mit dem Damen-Stützpunkt des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) in Mülheim zusammen – was Nominierungs-Voraussetzung ist.
Das letzte DBV-Angebot: Eine Trainingseinheit in Mülheim – an einem beliebigen Tag, mit beliebigem Inhalt (wie reines Spieltraining). Eine Kooperation kam dennoch nicht zustande. Mutter Heidi Deprez (zugleich FCL-Jugendleiterin), betont, dass es sich nicht um eine Entscheidung des Vereins handele, sondern um eine familiäre und private: „Wir müssen sehen, dass so etwas in unser Leben passt. Und im Moment passt es nicht in unsere persönliche Situation. Außerdem sind wir vor Ort bestens versorgt.“ Bestens versorgt heißt: Alle haben vollstes Vertrauen zum chinesischen Trainer Xu Yan Wang.
Zwischenstationen
Fabienne Deprez gilt mit Recht als außergewöhnliches Talent. Im vergangenen Dezember half sie beim Spiel gegen Lüdinghausen auch schon in der Bundesliga-Mannschaft des FCL aus – als jüngste Spielerin aller Zeiten in der höchsten deutschen Klasse.
Bei den Deutschen Nachwuchs-Meisterschaften in Rheinhausen (Februar) siegte die 15-Jährige gleich drei Mal. Sie gewann in der U 15 (Damen-Doppel), in der U 17 (Mixed) und in der U 19 (Damen-Einzel) jeweils einen Titel.
Die FCL-Führung äußert zur Nicht-Nominierung Entsetzen und Ablehnung. „Es ist eine Schande fürs deutsche Badminton“, findet Bundesliga-Obmann Günther Joppien (2. Vorsitzender), „wenn Leistung nicht mehr zählt, ist der Willkür Tür und Tor geöffnet.“ Der Vorsitzende Karl-Heinz Schulz siehts ähnlich: „Ich verstehe die Entscheidung nicht.“ Außerdem glaubt er, dass „Spitzensportler nicht von zwei Trainern gleichzeitig betreut werden können“.
In einer Vorstandssitzung berieten Schulz, Joppien und Deprez in der vergangenen Woche über mögliche weitere Schritte. Ergebnis eins war ein Schriftstück an den DBV-Vorsitzenden Karl-Heinz Kerst – mit der Bitte um Überprüfung des Vorgangs. Dass Kerst seine Trainer überstimmen oder übergehen würde, war jedoch kaum zu erwarten. Ergebnis zwei: Der FC Langenfeld zieht gerichtliche Schritte in Erwägung. Schulz: „Allen muss bekannt sein, nach welchen Kriterien eine Nominierung erfolgt.“
Ausbleibendes Signal
Den Schwarzen Peter aus Langenfelder Sicht haben die DBV-Verantwortlichen – hier besonders Chefcoach Detlef Poste und Jugend-Bundestrainer Holger Hasse. Vor allem auf Hasses Initiative gabs jedoch einige Angebote – unter anderem das oben genannte Ein-Tages-Modell. Bis zum Nominierungs-Stichtag (und bis heute) kam allerdings kein Signal, darauf einzugehen. Natürlich weiß Hasse, was ihm durch den Verzicht auf Fabienne Deprez sportlich entgeht: „Es blutet mir das Herz und es tut mir in der Seele weh.“ Für ihn ist eine Deutsche Meisterschaft allerdings nur eins der Kriterien für eine Nominierung. Ein anderes: Zusammenarbeit. „Es muss eine Kooperation geben“, betont Hasse.
„Respekt und Anerkennung“
Dabei gehe es nicht darum, die Kompetenzen des Heimtrainers zu beschneiden: „Ihm gebührt Respekt und Anerkennung. Mein Ziel ist es, ihn einzubinden.“ Nach dem Stand der Dinge kann nur eins als sicher gelten: Fortsetzung folgt, die unglaubliche Geschichte geht weiter. Die Frage ist, welches Schlusskapitel sich ergeben könnte.
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