Der Super-GAU
VON MICHAEL DEUTZMANN - zuletzt aktualisiert: 29.03.2008Badminton-Bundesligist FC Langenfeld muss einen bitteren Tiefschlag verkraften. Weil Fabienne Deprez im
Halbfinale gegen Beuel nicht spielberechtigt war, wurde aus dem 4:4 ein 0:8 – und der Traum vom Titel zerstört.Das ist brutal. Vor sechs Tagen feierte der Badminton-Bundesligist FC Langenfeld (FCL) ausgelassen den Einzug ins Play-Off-Finale um die Deutsche Meisterschaft – bis tief in die Nacht hinein. Doch jetzt ist die sportliche Welt zusammengebrochen. Im Halbfinale hatte der FCL zu Hause gegen den 1. BC Beuel ein 4:4 erzielt (Ostersamstag) und 24 Stunden später in Bonn mit 5:3 triumphiert. Bundesliga-Spielleiter Bernd Mohaupt (Gütersloh) machte aber aus dem 4:4 am Donnerstagabend eine 0:8-Wertung – und damit das Aus für Langenfeld. Grund für die spektakuläre Entscheidung: Der FCL setzte im Heimspiel gegen Beuel unter anderem Fabienne Deprez ein – die nicht hätte spielen dürfen.
Einsatz ohne Auswirkung
Der Weg zum Recht
Der FCL fühlt sich im Paragrafen– Dschungel immer noch im Recht. Erstens könne durch die frühe Turnier-Absage keine Rede mehr von einer Nominierung sein. Zweitens dürfe der Verband die Spielerin allenfalls für einen zukünftigen Einsatz sperren.
Der durch Rechtsanwalt Volker Weise angefertigte Langenfelder Protest dürfte beim Spielausschuss null Aussicht auf Erfolg haben. Anschließend bliebe noch der Weg zum Verbandsgericht.
Die 16-Jährige war vom Deutschen Badminton-Verband (DBV) fürs Sechs-Nationen-Turnier U 19 vom 19. bis 24. März in den Niederlanden nominiert, sagte jedoch aus schulischen Gründen ab. Im Heimspiel gegen Beuel bestritt Fabienne Deprez dann mit Mike Joppien das Mixed. Weil Joppien/Deprez gegen Ingo Kindervater/Birgit Overzier deutlich mit 16:21, 14:21 unterlagen, hatte der Einsatz am Ende null Auswirkung aufs Endergebnis.
Thomas Lohwieser (Berlin), der Vorsitzende des Jugendausschusses im DBV und gleichzeitig deutscher Delegationsleiter beim Turnier in den Niederlanden, wurde dennoch unverzüglich tätig, als er vom strittigen Sachverhalt erfuhr. Sein unmissverständlicher Standpunkt in der Zusammenfassung: Durch die Nominierung von Deprez für das Six-Nations-Turnier sei ihre Spielberechtigung für das gleichzeitige Bundesliga-Spiel automatisch erloschen – und die spielleitende Stelle demnach über die vorliegende Zuwiderhandlung zu informieren. Mohaupt blieb dann aufgrund der Fakten letztlich keine andere Wahl.
„Wir fühlen uns als Sieger“
Bei der Mannschaft, die in Bonn durch eine imponierende Leistung begeisterte, löste der neueste Stand der Dinge besonders Enttäuschung und Entsetzen aus. „Wir sind geknickt, denn wir fühlen uns nach wie vor als Sieger“, sagt Andreas Wölk, „wir hoffen, dass sich irgendwie was ändern lässt.“ Sogar vom „Umwertungs-Gewinner“ aus Beuel kommt Verständnis. „Ich bin immer dafür, dass etwas sportlich und nicht am grünen Tisch entschieden wird. Das Tagesergebnis war klar – da hieß der Sieger FC Langenfeld“, betont Vorstands-Mitglied Karl-Heinz Zwiebler. Weil er zugleich Mitglied im DBV-Jugendausschuss ist, legt er viel Wert auf die Feststellung, dass die „Angelegenheit nicht vom 1. BC Beuel ausging“.
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