Handball: Eine Standort-Bestimmung
VON MICHAEL DEUTZMANN - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Handball (RP). Handball-Oberligist SG Langenfeld trifft als Vierter im Spitzenspiel auf den Dritten Neusser HV. Trainer Heino Kirchhoff hat viel Respekt vor dem Gegner. Sein Team soll durch Kampfkraft und eine starke Abwehr dagegenhalten.
Es darf gerätselt werden. Wer wird Meister in der Handball-Oberliga? Ist der Aufsteiger SG Langenfeld (SGL) tatsächlich ein Spitzenteam? Nach 18 von 28 Spieltagen ist das Team um Trainer Heino Kirchhoff mit 26:10 Punkten auf Rang vier zu finden und damit dem Fünfer-Gremium zuzuordnen, aus dem der Kandidat für die 3. Liga kommt. Die Platzierung des Klassen-Neulings ähnelt angesichts anhaltender Personalprobleme erstens einem Wunder. Zweitens ist die SGL längst den Druck los, sich Sorgen um den Klassenerhalt machen zu müssen. Deshalb sind die Langenfelder grundsätzlich für jeden gefährlich – auch heute (18.30 Uhr, Halle Konrad-Adenauer-Gymnasium) für den Dritten Neusser HV (26:8 Zähler/ein Spiel weniger).
Langenfeld durfte sich schon in der Hinrunde beim 24:28 ein Bild von den Stärken der Neusser machen, als selbst eine gute Leistung nicht zu etwas Zählbarem reichte. Bis zum 23:23 (52.) lag zumindest ein Punkt im Bereich des Möglichen, ehe ein Ballverlust zum 23:24 (53.) den Anfang vom Ende für die SGL markierte. An Kirchhoffs hoher Wertschätzung für Neuss hat sich seit damals nichts geändert: "Das ist für mich spielerisch die beste Mannschaft der Oberliga. Alles geht wahnsinnig schnell. Und die haben sehr starke Rückraumspieler."
Sorgenfreie Zone
Im ungünstigsten Fall der Fälle müssen am Ende der Saison 2011/2012 vier Vereine aus der Handball-Oberliga in die Verbandsliga absteigen. Falls der Aufsteiger SG Langenfeld (SGL) überhaupt noch einen Gedanken an die Gefahrenzone verschwendet, wird er seinen Blick auf den TV Jahn Hiesfeld richten.
Der Zwölfte steht bei 13:23 Zählern und damit glatte 13 Punkte hinter der SGL (26:10). Tatsächlich will der Vierte Langenfeld allerdings seinen Platz unter den besten fünf behaupten – was wohl gelingen dürfte, weil selbst das Polster zum Sechsten SF Hamborn 07 (18:18) beachtlich ist.
Schlagabtausch verboten
Am vergangenen Wochenende verlor Neuss zwar gegen den Tabellenführer DJK Adler Königshof (29:7 Punkte) unerwartet klar mit 28:35, doch Langenfelds Trainer möchte daraus keine direkten Schlüsse fürs eigene Auftreten ableiten – und schon gar nicht das extrem hohe Tempo des Spitzenreiters kopieren. "Wenn wir uns auf diesen Schlagabtausch einlassen und die Pendelstaffel mitmachen, werden wir keine Chance haben", vermutet Kirchhoff. Daraus ergibt sich zwar kein Schlafwagen-Handball, aber zur Reduzierung möglicher Fehlerquellen doch ein Blick auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit.
Das Bild in den Übungseinheiten belegt, wie schwierig die Aufgabe tatsächlich werden könnte. Ein Beispiel: Fabian Düllberg, der sich mit einer schmerzenden Schulter herumplagt, pausierte erneut – um die Chancen auf ein Mitwirken zu erhöhen. Das bringt auf Dauer weder den Spieler noch die Qualität des Trainings weiter, in dem Dawid Rosiak als einziger Rückraumspieler für die linke Seite besonders gefordert war. In Kapitän Stefan Wagener (Ski-Urlaub) fällt zudem ein vielseitig verwendbarer Spieler aus.
Torhüter-Aufgebot reduziert
Weil offensichtlich kein Wochenende ohne neue Baustelle vollständig wäre, sind die Torhüter nun ebenfalls betroffen. Christian Wansing ist nach seiner kaum überstandenen Knochen-Absplitterung (Ellenbogen) für Kirchhoff noch kein Thema und Tobias Hanke (aus dienstlichen Gründen zu viel Training verpasst) diesmal nur die Nummer zwei. Deshalb soll es in erster Linie der junge Fabian Bremer (19) richten. Das weitere Rezept liegt für Kirchhoff auf der Hand: "Wir werden Disziplin, Kampfgeist und Abwehrstärke dagegen setzen." Ob das reicht? Es darf gerätselt werden.
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