Meerbusch: 92,6 Prozent Nichtwähler
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 18:30Düsseldorf (RPO). Die Wahl zum Meerbuscher Integrationsrat stieß bei den Migranten auf breites Desinteresse. Nur 7,4 Prozent (307 von 4160 Wahlberechtigten) beteiligten sich. Sechs Kandidaten sind gewählt, darunter der politisch umstrittene Dr. Hartung.
Meerbusch hat zum ersten Mal seit elf Jahren wieder eine Ausländervertretung. Allerdings um den Preis eines desaströsen Wahlergebnisses. Nur 7,38 Prozent (307 von 4160) der Wahlberechtigten gingen an die Urnen. Bei der bislang letzten Wahl 1994 waren es immerhin noch 17,4 Prozent (542 von 3116). Meerbusch hat damit landesweit die sechstschlechteste Wahlbeteiligung vorzuweisen (in 102 NRW-Städten wurden Migrantenräte gewählt). In der Region gingen nur in Düsseldorf (4,67 Prozent) noch weniger Einwanderer zur Wahl. In diversen anderen Städten wie etwa Willich wurde allerdings mangels Bewerbern gar nicht erst abgestimmt.
Schillernder Kandidat
Sechs der elf Meerbuscher Kandidaten sicherten sich einen Sitz: Hayrettin Polat (116 Stimmen), Ingrid Maas (49), Dr. Erhard Hartung (36), Trevor Bennon (18) sowie Marie Eichhorst und Mohamad Al-Jawar (beide 15). Damit ist auch der wegen seiner Vergangenheit als "Südtirol-Aktivist" umstrittene Dr. Hartung (67) gewählter Migranten-Vertreter, dessen Kandidatur schon von der italienischen Nachrichtenagentur Ansa kritisch registriert wurde.
Die UWG hatte den Arzt, gebürtig aus Innsbruck, bereits zur Niederlegung seiner Kandidatur aufgefordert (RP berichtete). Die restlichen fünf Kandidaten erhielten weniger als 14 Stimmen und bekommen somit keine Plätze. Die Ratsvertreter, die Sitze im Ausschuss bekommen (vorgesehen sind zurzeit fünf), müssen noch bestimmt werden.
In der Meerbuscher Politik herrscht weitgehende Einigkeit, dass es gut ist, mit dem Integrationsrat einen "neuen Anfang" zu wagen. 1999 und 2004 waren noch nicht einmal Wahlen zum Ausländerbeirat zustande gekommen.
"Das ist sicher keine tolle Wahlbeteiligung. Aber so haben die Migranten zumindest die Chance gehabt, zu wählen", meint Bürgermeister Dieter Spindler (CDU). Er mutmaßt, dass sich die EU-Bürger unter den Ausländern durch ihre Teilnahme an der Kommunalwahl bereits vertreten fühlen – und dass von den rund 880 in Meerbusch lebenden Japanern wohl eher wenige gewählt haben. "Die Wahlbeteiligung ist etwas enttäuschend, aber es ist wichtig, dass es diesen Beirat gibt", unterstreicht FDP-Fraktionschefin Gesine Wellhausen. Auch Grünen-Chef Jürgen Peters zeigt sich "froh, dass wir dieses neue Instrument jetzt haben". So sieht es auch Ilse Niederdellmann (SPD): "Ich drücke dem Gremium die Daumen".
Die meisten Stimmen erhielt Hayrettin Polat, ein "Veteran" aus dem einstigen Ausländerbeirat. Politisch erfahrenste Migrantenvertreterin wird die Rechtsanwältin Ingrid Maas sein, ehemalige Fraktionschefin der Meerbuscher Grünen. Ihr Schwerpunkt ist die Jugend- und Frauenarbeit. Sie will unter anderem für bessere Kommunikation zwischen Migranten und der Ausländerbehörde in Grevenbroich sorgen: "Nur wenn man miteinander redet, kann man auch etwas erreichen".
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