Meerbusch: Ärger um Kohlekraftwerk
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 27.02.2010Düsseldorf (RPO). Die UWG hat eine Resolution gegen das geplante Chempark-Kraftwerk in den Rat eingebracht. Die Grünen unterstützten den Vorstoß. Eine Mehrheit aus CDU und SPD lehnte ihn ab.
CDU und Grüne haben zwar vereinbart, politisch in den nächsten Jahren in Meerbusch an einem Strang zu ziehen – aber bei bestimmten Themen ist der Dissens offenkundig. Das wurde jetzt im Rat bei einer Debatte um das im Krefelder Chempark geplante neue Kohlekraftwerk deutlich.
Die UWG hatte den Antrag gestellt, der Rat solle die Firmen Bayer und Trianel auffordern, den Antrag für die 750-Megawatt-Anlage zurückzuziehen. Die Grünen stimmten dem zu, mit der Ergänzung, dass die Resolution an die Stadt Krefeld zu richten sei. Eine Mehrheit aus CDU und SPD votierte dagegen und ließ auch eine (von der FDP vorgeschlagene) Überweisung des Antrags an den Planungsausschuss nicht zu. Damit war der Vorstoß abgelehnt.
Kraftwerks-Leistung
Das geplante Kohlekraftwerk im Chempark soll durch Verfeuern von täglich 6000 Tonnen Kohle eine Leistung von etwa 750 Megawatt bringen.
Die beiden alten Kessel aus den 60er Jahren kommen heute zusammen auf 234 Megawatt. Der Bedarf des Chempark liegt bei circa 200 Megawatt.
UWG-Ratsfrau Daniela Glasmacher begründete den Antrag mit einer Schätzung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), nach der das Kraftwerk pro Jahr 4,3 Millionen Tonnen CO2, 400 Tonnen Feinstaub, 600 Kilogramm Quecksilber und 500 Kilogram Cadmium ausstoßen und außerdem das Rheinwasser erwärmen wird: "Bei ungewöhnlichen Wetterlagen mit Wind aus Nord und Nordwest wäre auch Meerbusch davon betroffen". Daniela Glasmacher forderte statt des Kohle- ein Gaskraftwerk.
Grünen-Chef Jürgen Peters machte deutlich, dass seine Partei grundsätzlich gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke sei. Neue Arbeitsplätze könnten auch durch den Einsatz regenerative Energien geschaffen werden. Auch die FDP sprach sich gegen das Kraftwerk aus, wünschte sich aber vor einer Diskussion mehr Informationen.
Sorge um Bayers Zukunft
CDU-Fraktionschef Werner Damblon lehnte den UWG-Vorstoß ab: "Die Zukunft von Bayer in Krefeld steht auf dem Spiel" – zudem ersetze das moderne Kraftwerk zwei alte Kessel aus den 60er Jahren. CDU-Ratsherr Mike Kunze ergänzte, dass viele der Chempark-Mitarbeiter in Meerbusch wohnten. Er warf der UWG vor, mit dem Antrag "blanken Populismus" zu betreiben. Die genauen Zahlen zu dem Kraftwerk lägen schließlich noch gar nicht vor.
SPD-Fraktionschefin Ilse Niederdellmann hielt der UWG vor, einen Antrag nach dem St.-Florians-Prinzip gestellt zu haben. "Natürlich wären andere Energieformen besser. Aber es geht noch nicht ganz ohne Kohle, und das Kraftwerk wird nach den neuesten Erkenntnissen gebaut". Letztlich gehe es um hunderte Arbeitsplätze.
Das Thema ist noch nicht vom Tisch: Im Rahmen des weiteren Planverfahrens wird Meerbusch eine Stellungnahme zu dem Kraftwerksneubau abgeben können. Großen Einfluss hat diese allerdings nicht.
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