Meerbusch: Ärger um SPD-Kandidatenkür
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 09.09.2008Düsseldorf (RPO). Hans Günter Focken aus Osterath macht dem stellvertretenden Bürgermeister Georg Neuhausen aus Lank-Latum die Kandidatur streitig. Die Genossen im Ortsverein wähnen den Stadtverbandschef als Strippenzieher.
Müntefering, Beck, Steinmeier – das SPD-Karussell hat ein Jahr vor der Bundestagswahl rasant an Fahrt gewonnen. Ehe der Meerbuscher Wähler jedoch den Gang zur Urne antritt, kann er sich im Juni 2009 auf kommunaler Ebene für seine Vertreter im Stadtrat und den Bürgermeister entscheiden. Während die CDU den amtierenden Amtsinhaber Dieter Spindler zu ihrem Kandidaten gewählt hat, ziehen die Sozialdemokraten noch hinter den Kulissen an den Strippen, um ihre Spitzenposition zu besetzen.
Heute Abend tagt der Vorstand des Ortsvereins Lank-Latum. Im nördlichen Stadtteil sind die Genossen verschnupft darüber, dass der stellvertretende Bürgermeister Georg Neuhausen im Ortsverein Osterath offenbar als SPD-Kandidat keine Chance bekommen soll. Es habe gute Tradition in der SPD, dass der Amtsinhaber zuerst gefragt werde, sagt Ilse Niederdellmann, Ortsvereinsvorsitzende in Büderich. Bei der ersten Direktwahl sei es Dr. Lothar Beseler aus Strümp und bei der zweiten sie selbst gewesen. Nun müsste es Georg Neuhausen sein, meint sie.
Kandidatenprofil
Mitte September treffen sich Vertreter aus SPD, FDP und Grüne, um über einen gemeinsamen Gegenkandidaten für Bürgermeister Dieter Spindler zu sprechen. Bislang ist die Runde über grundsätzliche Positionen noch nicht hinausgekommen. Die Entwicklung eines Kandidatenprofils und die Benennung gemeinsamer politischer Ziele stehen derzeit noch im Fokus. An eine Personaldiskussion ist im Moment noch nicht zu denken. Einige Sozialdemokraten halten den Zug für bereits abgefahren. Das Bemühen komme zu spät, heißt es. Es sei bereits fünf vor zwölf, sagt auch Ilse Niederdellmann.
Stattdessen bewirbt sich der Kreistagsabgeordnete Hans Günter Focken aus Osterath um eine Kandidatur. Der ehemalige Mitarbeiter im Staatlichen Amt für Umweltschutz in Krefeld hat dem Vernehmen nach das Vertrauen seines Ortsvereins und des Stadtverbandsvorsitzenden Alexander Jankowsky. Die Entscheidung fällt in einer Mitgliederversammlung wahrscheinlich im Dezember. Zum ersten Mal wählen die Mitglieder ihren Spitzenbewerber selbst. In der Vergangenheit übernahmen Delegierte diese Aufgabe. Die Neuerung hat zur Folge, dass noch in der Versammlung ein Überraschungskandidat auftauchen könnte. „Wir können den Mitgliedern nicht vorschreiben, wen sie wählen sollen“, erklärte Niederdellmann.
Für die Lank-Latumer gilt das in gleichem Maße. Dennoch ist für Hans-Werner Schoenauer aus Ossum-Bösinghoven klar, dass sein Ortsvorstand empfiehlt, Neuhausen das Vertrauen auszusprechen. Das Misstrauen in Lank-Latum gegen den Stadtverbandsvorsitzenden Jankowsky aus Osterath scheint im Stadtteil sehr ausgeprägt. Spätestens seit Marius Luciano seinen Posten als stellvertretender Vorsitzender im Stadtverband mit der Begründung aufgegeben hat, dort herrsche „schlechtes Klima“ und „kein Vertrauen“, ist der Bruch zwischen dem Ortsverein und dem Stadtverbandschef Jankowsky offensichtlich. Womöglich ist Neuhausen der Leidtragende des schwehlenden Konflikts.
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