Meerbusch: Angst vor Asbest
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 19.09.2007Düsseldorf (RPO). Strümper beklagen, dass die Wirtschaftsbetriebe das Trinkwasser durch Asbest-Zementrohre leiten. Der Austausch geht zu langsam. 75 Kilometer Rohrleitung beinhalten noch das gesundheitlich umstrittene Material.
„Mir ist das unheimlich“, sagt Helgard Voss aus Strümp. Zum Kochen benutze sie „seit Ewigkeiten“ nur Quellwasser vom Öko-Hof. Ganz so weit geht ihre Nachbarin, die Medizinerin Dr. Christina Schröder-Frerkes nicht. Zum Trinken allerdings verwende sie nur Mineralwasser. Der Grund für die Skepsis: In Strümp und im alten Amt Lank sind die Trinkwasserrohre immer noch aus Asbestzement. „In Büderich hat die Stadt vor vielen Jahren für mehrere Millionen Mark das komplette Netz ausgetauscht. Dafür muss es doch einen Anlass gegeben haben“, meint Voss.
Dr. Christina Schröder-Frerkes beschäftigt sich seit der Geburt ihres Sohnes vor sechs Jahren mit dem Thema. Sie weiß, eingeatmetes Asbest kann Krebs verursachen. Anders ist die offizielle Meinung jedoch, wenn Asbestfasern im Trinkwasser auftauchen und geschluckt werden. Das sei unbedenklich, heißt es.
Wirtschaftsbetriebe
Die Wirtschaftsbetriebe sind eine Gesellschaft, an der die Stadt zu 60 Prozent und die rhenag zu 40 Prozent beteiligt sind.
Die WBM mit Sitz in Osterath im alten Rathaus liefern Gas und Trinkwasser, rechnen für das RWE den Strom ab und kassieren für die Stadt die Abwassergebühren. Geschäftsführer ist seit der Gründung der frühere Tiefbauamtsleiter Meerbusch, Manfred Weigand.
IWW zieht Proben zur Analyse
Manfred Weigand, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Meerbusch (WBM), die Eigentümerin des Trinkwassernetzes in der Stadt ist, gibt Entwarnung. Von den Faserzahlen in Millionenhöhe pro Liter, die vor fast 20 Jahren in Büderich gemessen worden sind, seien Strümp, Lank-Latum, Ossum-Bösinghoven und die Rheingemeinden weit entfernt. Zwar existierten noch rund 75 Kilometer Leitungsrohre aus Asbestzement, doch die seien in einem einwandfreien Zustand. Die Ergebnisse regelmäßiger Kontrollen gäben keinen Grund zur Beunruhigung. Das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) der RWTH Aachen nehme alle zwei Jahre Proben, um sie zu analysieren. „Die Faserzahlen lagen jedes Mal unter der Nachweisgrenze“, sagt Weigand.
Das Lebensmittel Wasser aus dem Werk in Lank-Latum sei im „Kalkkohlesäuregleichgewicht“, berichtet Weigand. Das heißt, anders als damals in Büderich, das sein Wasser von den Kreiswerken Grevenbroich bezieht, löse sich der Kalk in den Wasserrohren nicht, und folglich würden auch keine Asbestfasern freigesetzt. Mit der Zeit allerdings werde das Material mürbe und bruchgefährdet, und deshalb tauschten die WBM diese Rohre Stück für Stück aus. Im Moment seien es lediglich drei bis vier Kilometer jährlich. „Das ist viel zu wenig“, räumt selbst Weigand ein. „Wir müssen die Schlagzahl erhöhen, wir haben nicht noch 20 Jahre Zeit, um das Programm abzuschließen“, sagt er. Das bedeutet aber auch, dass die mehrheitlich städtische Gesellschaft viel Geld in die Hand nehmen muss.
In Ilverich und Nierst zum Beispiel seien einfach moderne Kunststoffleitungen durch die alten Rohre gezogen worden. „Das spart die Tiefbaukosten“, sagt Weigand. Für Helgard Voss und Dr. Christian Schröder-Frerkes ist das nicht wesentlich – sie fordern den zügigen und kompletten Austausch der Asbestrohre.
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