Meerbusch: Angst vor dem Tsunami
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 02.03.2010Düsseldorf (RPO). Die Studentin Claudia Breisa aus Nierst lebt seit gut einem Jahr in Honolulu auf Hawaii. Dort erlebte sie nach dem Erdbeben in Chile die Warnungen und Aktionen der Behörden vor einer Flutwelle und die Evakuierungen ihrer Nachbarn.
"Es war gruselig, wie in einer Geisterstadt", erzählt Claudia Breisa aus Nierst. Die Meerbuscherin studiert an der Hawaii Pacific University in Honolulu seit Januar 2009 für den "Master of communication". Am Wochenende erlebte sie ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem Erdbeben in Chile warnten die Behörden auf der Touristeninsel vor einem Tsunami. Die letzte Hochwasserwelle 1960 hatte dort ebenfalls nach einem Erdbeben in Südamerika große Schäden verursacht.
"Ein Freund, der ein paar Häuser weiter wohnt, hat mich angerufen und gesagt, ich soll sofort das Fernsehen einschalten", berichtet die Niersterin. In Sondersendungen drehte sich alles um den bevorstehenden Tsunami. Die Menschen versorgten sich mit allem Nötigen. Tankstellen und Supermärkte seien nach Hamsterkäufen leergefegt gewesen, Dosenfleisch und Toilettenpapier rationiert worden. Wer konnte, so Claudia Breisa, fuhr zu Verwandten oder Bekannten ins Landesinnere. In ihrer Nachbarschaft habe die Evakuierung der Menschen begonnen. Nur, wer in einer Wohnung in der dritten Etage oder höher lebte, habe vorerst in seiner vertrauten Umgebung bleiben dürfen. "Ich wohne im dritten Stock", erzählt die Meerbuscherin.
Überall habe ein riesige Aufregug geherrscht. Die Verkehrsüberwachungskameras seien statt auf die Straßen auf die Küsten gerichtet worden, um die ankommende Welle rechtzeitig entdecken zu können. Eine zehn Fuß (drei Meter) hohe Wasserwand sei erwartet worden. Auf den Aussichtsplattformen des nahen Vulkans und am Meeresufer hätten Beobachtungsposten Position bezogen.
Claudia Breisa telefonierte nach all den Warnungen mit ihren Eltern in Nierst. "Wenn ihr in drei Tagen nichts von mir hört, müsst ihr nicht unbedingt das Schlimmste annehmen", habe sie gesagt. "Macht euch keine Sorgen, wahrscheinlich ist dann die Stromversorgung zusammen gebrochen." Mit ihren Freunden in Deutschland und auf der Insel verständigte sich die Studentin übers Internet im Facebook-Portal. Regelmäßig ertönten die Sirenen als Hinweis darauf, sich über die Medien zu informieren. Zuerst sei die Ankunft des Tsunami für Samstag, 11.50 Uhr, angekündigt gewesen, dann auf 11.27 Uhr vorgezogen.
Stunden später habe die Gouverneurin Entwarnung gegeben, und das Leben sei blitzschnell wieder in normalen Bahnen verlaufen. Die Geisterstadt habe sich mit Menschen gefüllt und ihren Schrecken verloren.
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