Meerbusch: Angst vor Elektrosmog
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 16.10.2008Düsseldorf (RPO). Bürger und Stadt sollen nun doch gefragt werden. Im Winter wollen die RWE offiziell informieren. RWE will zwischen St. Tönis, Osterath und Neuss neue Höchstspannungsleitungen mit 380 000 Volt bauen.
In Krefeld geht die Angst vor dem Elektrosmog um: Die Parteien der Nachbarstadt wehren sich vehement gegen den Bau einer 380 Kilovolt-Höchstspannungsleitung, die der Versorger RWE am Niederrhein plant. Die turbulente Strom-Diskussion könnte in den nächsten Wochen auch auf Meerbusch übergreifen, denn die neue Überlandleitung soll von Krefeld-Fichtenhain kommend über die Umspannanlage Osterath weiter Richtung Kaarst geführt werden. Bislang besteht auf dieser Trasse lediglich eine deutlich schwächere 220-Kilovolt-Leitung. Voraussetzung für den Bau der 380-kV-Leitung ist ein Planfeststellungsverfahren, bei dem auch die Stellungnahme der Stadt und betroffener Bürger eingeholt wird. RWE erklärte auf RP-Anfrage, dass der entsprechenden Antrag noch im November eingereicht werden solle. Für den Winter plant der Versorger eine Bürgerversammlung, um seine Pläne zu erläutern.
Der Konzern versicherte, dass die andere Meerbuscher Hochspannungsleitung, die von Osterath aus quer durch Strümp Richtung Duisburg-Mündelheim führt, von dem Ausbau nicht betroffen sein werde. Die dortigen jahrzehntealten Kabel waren gerade erst im Sommer erneuert worden. Die neue Leitung läuft in Osterath weitestgehend über landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die Eigentümer sollen eine Entschädigung erhalten.
Anfrage der Grünen
Die Meerbuscher Parteien bekamen zum Thema 380-Kilovolt-Leitung zunächst nur eine Informationsvorlage im Planungsausschuss vorgelegt. Das Kreisumweltamt erklärte, dass zum Bau der 380-kV-Leitung eine Erlaubnis von Bezirksregierung und Umweltamt ausreiche – ohne dass Parteien oder Bürger in einem Planfeststellungsverfahren gefragt werden müssten. Das führte umgehend zu einer Anfrage der Grünen ans NRW-Wirtschaftsministerium. Die ministerielle Antwort war eindeutig: Bei so einem gravierenden Ausbau einer Höchstspannungsleitung müssen Anwohner und Politik Stellung nehmen können. Das Planfeststellungsverfahren ist also doch Pflicht.
Wie die Meerbuscher Parteien auf den RWE-Antrag reagieren werden, ist noch offen. In Krefeld geht es in der Sache zurzeit hoch her: Im Auftrag der Politik verweigert dort die Verwaltung die Zustimmung zum Bau der Leitung auf Flächen, die der Stadt gehören. Auch möglichen Wartungsarbeiten wollen die Krefelder nicht zustimmen.
Mit dem Bau der Leitung zwischen Diele, Meppen, Wesel, Utfort, Osterath, Kaarst, Rommerskirchen und Sechtem-Weißenthurm will RWE einen Beitrag zur Energiesicherheit leisten. Der Bundesrat hat bereits festgestellt, dass der Bau der neuen Trasse dringlich ist.
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