Meerbusch: „Lärm wird immer schlimmer“
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 01.11.2008Düsseldorf (RPO). Die Fluglärmgegner demonstrierten bei ihrer Jahreshauptversammlung Entschlossenheit. Notfalls wollen sie bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. Auch über Demonstrationen gegen Nachtflüge wurde laut nachgedacht.
Fluglärmgegner sind penible Zahlensammler. Angaben des Airports über Flugbewegungen werden notiert, aufbereitet und verglichen. Alarmiert hat die Fluglärmgegner das seit einigen Jahren deutliche Ansteigen der Zahl der nächtlichen Starts (nach 22 Uhr) und Landungen nach 23 Uhr. Zählten sie im Jahr 2003 noch 871 Flugbewegungen nach 23 Uhr, sind es mittlerweile 1600 bis 1700 pro Jahr. „Eine Verdopplung“, wie Meerbuschs Bürgermeister Dieter Spindler (CDU) kritisch anmerkt. Spindler, Vorsitzender der Lärmschutzkommission, war zusammen mit dem Vizepräsidenten des NRW-Landtags, Oliver Keymis (Grüne) zur Hauptversammlung des Vereins „Bürger gegen Fluglärm“ nach Büderich gekommen.
Nachtflugverbot
Regelung Das Nachtflugverbot ist eine komplizierte Regelung. Grundsätzlich ruht der Flugverkehr in Düsseldorf zwischen 23 und 6 Uhr. Ab 22 Uhr sind keine Starts mehr erlaubt.
Ausnahmen Flieger, die um 21.50 Uhr keine Keile mehr unter den Reifen haben, können auch nach 22 Uhr starten. In Düsseldorf stationierte Airlines (Lufthansa, Air Berlin, LTU) dürfen bis 24 Uhr „verspätet“ landen. Danach ist eine Sondergenehmigung nötig.
„Es wird immer schlimmer“, konstatiert der Vereins-Vorsitzende Christoph Lange. „Die Starts nach 22 Uhr sind für Meerbusch, Neuss, Kaarst und Krefeld besonders ärgerlich, da sie bei dem meist vorherrschenden Westwind über die Gemeinden gehen“.
Spindler berichtete, dass seine Versuche, auf das Verkehrsministerium einzuwirken, bislang gescheitert seien. Trotz des gemeinsamen CDU-Parteibuchs von Spindler und NRW-Verehrsminister Oliver Wittke. Den September-Beschwerdebrief des Meerbuscher Rates über die gestiegene Anzahl an Nachtflügen habe der Minister noch nicht einmal beantwortet. Der Landtagsabgeordnete Oliver Keymis riet den Fluglärmgegner „mit härteren Bandagen zu kämpfen“. Was er damit meinte, erklärte der Grüne auf Nachfrage: Mit dem Stimmzettel und Demonstrationen. Keymis regte an, dass die Fluglärm-Gegner in Wittkes Heimatort Gelsenkirchen eine nächtliche Demo veranstalten sollten, „um dem Minister mal zu zeigen, wie laut es nachts in Meerbusch ist.“
Juristisches Vorgehen
Nachdem der Verein jüngst um Spenden gebeten hatte, sei man inzwischen in der Lage auch den juristischen Kampf gegen die erweiterte Betriebsgenehmigung des Flughafens weiterzuführen, unterstrich der Vorsitzende. „Notfalls gehen wir bis zum Bundesverfassungsgericht oder zum Europäischen Gerichtshof.“
Was die Verteilung der Nachtflüge auf die einzelnen Fluglinien angeht, kritisiert der Verein vor allem Air Berlin. Die Gesellschaft (inklusive LTU und dBA) sei für knapp 65 Prozent der nächtlichen Starts und Landungen verantwortlich. Auf die Lufthansa, die deutlich mehr Flüge über den Airport abwickelt, entfielen dagegen weniger als fünf Prozent der störenden Flugbewegungen. Erneut kritisierte Lange, dass Fluglinien innerdeutsche Flüge auf Strecken anböten, auf denen die Bahn schneller sei (etwa nach Hamburg oder Stuttgart).
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum