Meerbusch: Bürger gründen Wählergruppe
VON TINA STOCKHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 29.04.2008Düsseldorf (RPO). Mehrfach hat sich Christian Staudinger-Napp wegen der Verkehrsproblematik an der Blumenstraße an die Politiker gewandt – mit dürftigem Ergebnis. Jetzt gründet der Büdericher eine Wählergruppe und will selbst kandidieren.
Woche für Woche hat Christian Staudinger-Napp in den Briefkasten geschaut, seinen Telefonanschluss überprüft, seine E-Mails abgerufen. Nichts. Keine Reaktion auf seinen Brief. Darin hatte er alle Fraktionen gebeten, sich um die Verkehrssituation an der Blumenstraße zu kümmern: Obwohl diese Spielstraße sei, würden häufig Raser die Blumenstraße als Abkürzung entlangbrettern, um den Stau auf der Düsseldorfer Straße zu umgehen.
„Nach zehn Wochen hatte nur die CDU zurückgeschrieben“, erzählt der 46-jährige Familienvater. Doch was in dem Antwortbrief stand, gefiel dem Büdericher wenig: Man habe sich an der Blumenstraße umgeschaut und sei zu dem Schluss gekommen, dass dort die Zahl der Raser ein „insgesamt niedriges Niveau“ habe. Grüne und SPD ließen erst gar nicht von sich hören, „und die FDP schrieb, sie habe mein Anliegen an den Verkehrsexperten in der Partei weitergeleitet – doch danach kam nichts mehr.“
Der Weg in den Rat
In einer Partei oder Wählergruppe kann man es über Direktmandate oder über die Listenplätze in den Rat schaffen. Wer in einem der 24 Wahlbezirke die meisten Stimmen auf sich vereint, erhält ein Direktmandat.
Die andere Hälfte der 48 Ratssitze wird nach der prozentualen Stimmanteil vergeben, die die Parteien in allen 24 Wahlbezirken geholt haben.
Mittlerweile ist Staudinger-Napp so frustriert, dass er die Sache selbst in die Hand nimmt: Er will eine Wählergruppe gründen und bei der Kommunalwahl antreten. „Die Politiker scheinen sich für die Probleme der Bürger nicht zu interessieren“, sagt Staudinger-Napp. „Vielleicht sind sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt.“
Der Rheinbahn-Angestellte hat sich jetzt beim Wahlamt der Stadt informiert, wie er eine Wählergruppe gründen kann. Insgesamt muss er in jedem der 24 Wahlbezirke fünf Unterschriften sammeln, um seine Wählergruppe anmelden zu dürfen. „Die erforderlichen Stimmen kriege ich locker zusammen“, sagt Straudinger-Napp „Nicht nur die Anwohner hier an der Blumenstraße sind enttäuscht von der Politik.“ Er habe viele Freunde um Bekannte in anderen Stadtteilen, die ähnliches erlebt hätten. „Die vielen kleineren Anliegen der Bürger werden von den Politikern nicht wahrgenommen“, sagt er.
Dass er deshalb mal selbst politisch aktiv werden würde, hätte der 46-Jährige jedoch nicht gedacht. „Aber es bringt ja nichts, sich immer zu beschweren, dass die Parteien nichts auf die Reihe bekommen“, sagt Staudinger-Napp, der in der Gremienarbeit nicht unerfahren ist: Fünf Jahre lang saß er als Mitglied im Aufsichtsrat der Rheinbahn. „Dort habe ich gelernt, wie politische Debatten ablaufen.“
Nur ein Name für seine Wählergruppe fehlt ihm noch. „Vielleicht ,Wir in Meerbusch’“, sagt Staudinger-Napp, der sich auch vorstellen kann, mit anderen Bürgerinitiativen zusammen anzutreten. „Es geht nämlich nicht nur um die Blumenstraße, sondern um die Bürgerinteressen“, sagt er. „Wir sind mehr, als nur ein versprengtes Grüppchen Anwohner.“
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