Meerbusch: CDU zaubert Bewerber hervor
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 26.06.2008Düsseldorf (RPO). Dr. Just Gerard, Beigeordneter aus Kevelaer, ist ein aussichtsreicher Kandidat für die Stelle des Technischen Dezernenten in der Stadtverwaltung. Ratsmitglieder kritisieren das Versteckspiel der CDU.
Damit hat die CDU sich keinen Gefallen getan, kommentierte Gesine Wellhausen (FDP) das Versteckspiel der Mehrheitsfraktion im Stadtrat. Hinter verschlossenen Türen stellte sich der Kevelaerer Beigeordnete Dr. Just Gerard am Montagabend als Kandidat für die Stelle des Technischen Dezernenten in Meerbusch vor. „Wir müssen eine solch wichtige Information der Rheinischen Post entnehmen“, kritisiert Ilse Niederdellmann (SPD) die Vorgehensweise der CDU um den Vorsitzenden Werner Damblon.
Dabei gibt es eigentlich keinen Grund zu Meinungsverschiedenheiten. Schließlich besteht im Rat der Stadt Einigkeit darüber, dass die seit gut einem Jahr verwaiste Spitzenposition im Bau- und Planungsdezernat wieder besetzt werden soll. Sogar Bürgermeister Dieter Spindler (CDU), der zwischenzeitlich die Verantwortung dort übernommen hat, räumt mittlerweile ein, dass die umfangreichen Aufgaben für ihn „eine zusätzliche Belastung darstellen“.
Michael Nowack
Die Stadt sucht den Nachfolger von Michael Nowack als Technischen Dezernenten. Nowack war in geheimer Abstimmung nicht wiedergewählt worden, weil einige CDU-Ratsmitglieder gegen den Fraktionswillen gestimmt hatten. Zwei Bewerberrunden blieben erfolglos – die Politik konnte sich auf keinen Kandidaten einigen.
Das Verhalten der CDU sei aber „unglaublich und zeugt von Arroganz“, meint Wellhausen. Damblon habe sie zwar angerufen, um sie über einen Dringlichkeitsantrag zu informieren, damit die Stelle des Technischen Dezernenten nach den Sommerferien sofort ausgeschrieben werden könne, ihr aber verschwiegen, dass die CDU sich mehr oder weniger eindeutig schon auf einen Kandidaten festgelegt habe. Von dem 49 Jahre alten, gebürtigen Büdericher Just Gerard sei in den Gesprächen mit dem CDU-Chef keine Rede gewesen, bestätigen auch Jürgen Peters (Die Grünen) und Ilse Niederdellmann.
Damblon hat den Kontakt zu dem gleichaltrigen Beigeordneten der Stadt Kevelaer hergestellt, der zuvor im Bistum Essen beschäftigt war. Auf ihn, so Spindler, habe der Bewerber einen guten Eindruck gemacht. „Er ist sicherlich ein geeigneter Kandidat“, urteilt er. Der Bürgermeister hält es ferner für sinnvoll, vor einer wiederholten öffentlichen Ausschreibung der selben Stelle bereits einen „akzeptablen Kandidaten“ in der Hinterhand zu wissen. „Das Verfahren ist dennoch absolut offen“, erklärt Damblon und will von einer Vorentscheidung nichts wissen. „Wenn jemand gut ist, kann er sich der Konkurrenz stellen“, betont er im Hinblick auf das Interesse des in Duisburg lebenden Ingenieurs Just Gerard.
„Wir suchen jemand mit Visionen“, sagt Ilse Niederdellmann. „Wir brauchen einen Bewerber mit Energie, der Prozesse vorantreiben und sich selbstkritisch hinterfragen kann“, ergänzt Peters. Ob Gerard diese Eigenschaften besitzt? Um das zu beurteilen, müsste er ihn erst einmal persönlich kennenlernen, meint Hans-Werner Schoenauer (SPD) und spricht damit aus, was SPD, Grüne und FDP denken.
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