Meerbusch: Die Niederdellmanns
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 14.09.2009Düsseldorf (RPO). Seit fast 30 Jahren prägt die Familie aus der früheren Böhlersiedlung in Büderich die Meerbuscher Sozialdemokratie und beeinflusst die Stadtpolitik.
Mandate
Jürgen Niederdellmann, ab 1980 Bürgerschaftvertreter der SPD, von 1984 bis Oktober 1997 Ratsmitglied, 1995 Ehrennadel der Stadt.
Ilse Niederdellmann 1985 bis 1999 Bürgerschaftsvertreter der SPD, seit 1999 im Stadtrat, 1994 bis 1999 zweite Bürgermeisterin, 2001 Ehrennadel der Stadt.
Nicole Niederdellmann-Siemes, 1996 bis 2004 Bürgerschaftsvertreter der SPD, seit 2004 im Stadtrat.
20 Jahre zurück: Die CDU hat bei den Kommunalwahlen die absolute Mehrheit verloren. Büderichs SPD-Chef Jürgen Niederdellmann zählt zur Verhandlungskommission der Sozialdemokraten, führt Gespräche und zieht hinter den Kulissen die Fäden, wer mit wem in den kommenden fünf Jahren die Meerbuscher Politik bestimmen soll.
2009: Die CDU hat zum zweiten Mal in der Stadtgeschichte ihre absolute Mehrheit verloren. Am Verhandlungstisch sitzt für die SPD die Fraktionsvorsitzende und frühere zweite Bürgermeisterin Ilse Niederdellmann.
Seit fast 30 Jahren prägt die aus dem Ruhrgebiet stammende Familie aus der Böhlersiedlung im Büdericher Süden – zu der auch Tochter Nicole Niederdellmann-Siemes als Ratsmitglied zählt – die Meerbuscher SPD. In dieser Phase entwickelte sich aus einer starken Nummer zwei mit mehr als 30 Prozent der Wählerstimmen einer Nummer drei mit gut 17 Prozent. Die stolze Sozialdemokratie musste jetzt in Meerbusch in der Wählergunst sogar die FDP an sich vorbeiziehen lassen.
Aus SPD, Böhler und Arbeiterwohlfahrt bestand die Gemengelage, die die Niederdellmanns politisch ans Ruder brachte. Der österreichische Staatskonzern wurde Anfang der 90er Jahre privatisiert, Stahlwerk und Schmiede geschlossen, knapp 1000 Werkssiedlungen verkauft. Das war das Klima, in dem Jürgen Niederdellmann emporstieg und politisch an Bedeutung gewann. Der im Betriebsrat engagierte Herner war mit anderen Böhlerianern Mitglied im Stadtrat und damit Herr über das kommunale Planungsrecht. Er schmiedete die so genannte Meerbusch-Fraktion, die das rechtlich durchaus fragwürdige Junktim aufstellte, ein Baurecht auf der Böhler-Erweiterungsfläche gebe es nur dann, wenn der Stahlkonzern seine Wohnungen zu sozial verträglichen Bedingungen für die Mieter veräußere.
Heute sucht der Eigentümer angestrengt einen Käufer. Die Klauseln erweisen sich als Hindernis und die Siedlung verfällt langsam in einen Dornröschenschlaf. Fraktionschef Dieter Jüngerkes musste damals abdanken, Niederdellmann war der neue Chef. Seine Frau arbeitete als kaufmännische Angestellte für die Awo in der Begegnungsstätte am Kapittelsbusch. Die geriet immer mehr zur SPD-Parteizentrale und die Politik hauptsächlich zu einer Büdericher Klientel-Angelegenheit. Die Diskrepanzen speziell zum Ortsverband Lank-Latum wurden immer deutlicher. Fraktionsvorsitzender Hans-Werner Schoenauer musste ohne Vorwarnung seinen Stuhl räumen. Neu an der Spitze – Ilse Niederdellmann.
Zeitsprung: Die Awo ist durch interne Versäumnisse und kriminelle Machenschaften mit denen die Niederdellmanns nichts zu tun haben in die Pleite manövriert worden. Es gibt einen neuen Eigentümer, die Awo Mönchengladbach – und genau die kritisiert die fehlende Trennung von Wohlfahrtspflege und politischer Arbeit. Neue Leiterin der Einrichtung wird deshalb Gabriele Pricken (CDU) und sieht sich fortan den Nadelstichen des Büdericher Awo-Vorsitzenden Jürgen Niederdellmann ausgesetzt. Ehefrau Ilse verzichtet darauf, als Honorarkraft weiter für die Awo zu arbeiten. Der tägliche Nervenkrieg geht dann so weit, dass Pricken die Türschlösser zu ihren Räumen austauschen lässt.
In der Böhlersiedlung existiert der Mythos Niederdellmann jedoch weiter: Ilse Niederdellmann gewann als einziger SPD-Bewerber ein Direktmandat für den Stadtrat.
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