Meerbusch: Die Phantom-Haltestelle
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 28.10.2009Düsseldorf (RPO). Auf drei Stationen der St.-Mauritius-Therapieklinik gibt es "Rheinbahn-Haltepunkte". Busse oder Bahnen werden dort allerdings nie vorbeikommen. Die Wartesitze dienen als beliebter Treff und helfen bei der Reha.
Im Gang der Geriatrie-Station C1 hängt ein Rheinbahn-Schild mit dem charakteristischen gelb-grünen "H" an der Wand. Darunter sind drei Sitzplätze befestigt und ein Fahrplan. Wie sich das für eine Haltestelle gehört. Doch Niederflurbusse oder bimmelnde Trams werden auf dem Klinikflur im ersten Stock nie vorbeikommen. Das Ganze nennt sich Phantom-Haltestelle, ist eine Spende der Rheinbahn und kommt bei den Senioren der St.-Mauritius-Therapieklink offenbar gut an.
Die ursprüngliche Idee dahinter hat einen eher deprimierenden Hintergrund: Einige Demenzkranke neigen dazu, immer wieder aus Seniorenheimen wegzulaufen. In so einem Fall schauen Pfleger meist erstmal an der nächsten Bus- oder Bahnstation nach. Oft sitzt der Senior da und wartet. Diverse Heime haben daraufhin Haltestellen-Attrappen vor den Häusern eingerichtet, etwa in Düsseldorf-Benrath. Das Erstaunliche: Manchmal kommen Demenzkranke nach ein paar Minuten Haltestellen-Warten auch von alleine zurück – zufrieden und überzeugt, zwischendurch zuhause gewesen zu sein.
Idee weiterentwickelt
Physiotherapeut Georg Bischoff hat die Idee für das Haus an der Strümper Straße weiterentwickelt. Er hatte den Einfall, die falschen Stationen als Mittel zur Reha einzusetzen. Der Fahrplan gibt an, wann sich Rollator-Gruppen an der Scheinhaltestelle treffen und etwas für ihre Beweglichkeit tun.
"Früher gab es einen anderen Treffpunkt, aber der wurde meist völlig übersehen. So klappt es viel besser", sagt Bischoff. Ergotherapeutin Julia Guhl stellte den Kontakt zur Rheinbahn her und sorgte für Sitze, echte Schilder und Fahrpläne. Genau genommen ist es übrigens eine Ersatz-Haltestelle.
Die Therapieklinik ist damit vermutlich die einzige medizinische Einrichtung des Landes, die Bahnstationen innerhalb ihrer Räume hat. Heime legen die Haltepunkte meist vor der Tür an.
Treffpunkt auf dem Flur
Patientin Erika Behr hat es sich an der Flur-Haltestelle bereits bequem gemacht. "Eine ganz tolle Idee, es ist ein sehr schöner Treffpunkt", meint die 92-jährige Düsseldorferin, die in Osterath einen Oberschenkelhalsbruch auskuriert. Sie weiß, dass kein Zug kommen wird, aber irgendwann die nächste Rollator-Gruppe oder andere Patienten. Die Plätze bleiben selten leer.
Geriatrie-Chefarzt Heribert Woelki ist mit den ersten Wochen des Experiments zufrieden: "Patienten, die dort warten, haben die Sicherheit, dass sie irgendwann mitgenommen werden."
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