Meerbusch: Freiraum Ossum vor dem Aus
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 11.08.2009Düsseldorf (RPO). Die Stadt schließt vorläufig die kulturelle Spielstätte in einem alten Kuhstall. Die Betreiber Roland Giersch und Torsten Fugmann müssten zahlreiche Auflagen der Ordnungsbehörden erfüllen.
Das städtische Ordnungsamt hat die Kulturstätte Freiraum Ossum nach mehr als einem Jahr überraschend geschlossen. Die Betreiber Roland Giersch und Torsten Fugmann mussten am Wochenende mit ihrer geplanten Veranstaltung kurzfristig nach Osterath ausweichen. "Nachbarn haben uns angeschwärzt, wir würden uns mit dem Freiraum in Ossum bereichern", berichtete Giersch gestern im RP-Gespräch.
Im März 2008 hat das Duo einen alten Kuhstall hinter dem Herbertzhof in Ossum so weit hergerichtet, dass sie dort ihre mit einer Kettensäge aus Totholz herausgeschnittenen Skulpturen ausstellen konnten. Zwei Monate später las der Lank-Latumer Reiner M. Platz dort Texte von Charles Bukowski.
Am Samstag hätte der Kultautor im Freiraum wieder im Zentrum des Interesses stehen sollen. Doch diesmal blieben die Türen geschlossen. "Wir sind von der Stadt angerufen worden und sollten zu bestimmten Punkten Stellung beziehen", berichtet Giersch, der sein Geld als Gärtner verdient. Sein Freund und Mitstreiter Torsten Fugmann ist Ergotherapeut. "Wir machen das als Hobby", sagt Giersch, der unter anderem schon den Meerbuscher Kulturkreis um Heribert Schween und den FDP-Ratspolitiker Wolf Meyer-Ricks mit seiner afrikanischen Trommelgruppe zu Gast hatte.
Um den Fortbestand des Spielorts machen sich die beiden Meerbuscher nun ernsthafte Sorgen. Die Stadt fahre ganz großes Geschütz auf. Für heute seien sie zur Bauaufsicht ins Technische Dezernat bestellt worden, um zu Fragen wie Stellplätze, Schanklizenz, Nutzungsgenehmigung und anderen Antworten zu liefern.
"Der Freiraum ist kein gesetzlicher Freiraum", erklärt Heiko Bechert, Leiter des städtischen Ordnungsamts. Reinhard Lutum von der Bauordnungsbehörde nennt eine Reihe von Punkten, die es zu klären gilt: Fluchtwege, Sanitäranlagen und viel grundsätzlicher – die planungsrechtliche Zulässigkeit einer solchen Nutzung im so genannten Außenbereich.
"Das ist doch keine kommerzielle Geschichte von uns", sagt Giersch. Im Gegenteil, er und sein Kollege steckten viel Zeit und Energie in ihr Projekt. Neben Ausstellungen waren es vor allem Lesungen und manchmal Musikabende, die im Freiraum Ossum stattgefunden haben. Noch sind die beiden nicht bereit, ihr Hobby so einfach aufzugeben. "Vielleicht gründen wir einen Verein, um zu verdeutlichen, das wir keine Gewinninteressen haben", sagt Giersch. "Hier sollte etwas entstehen – von Meerbuschern für Meerbuscher", sagt er.
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