Meerbusch: Für Jan Weiler in die 60er
VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008Düsseldorf (RPO). Kamera, Scheinwerfer, Maskenbildner und Regiestuhl: Der Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ des Meerbuscher Autors wird verfilmt. Derzeit drehen die Produktionsteams aus Rom und München in der Krefelder Fabrik Dujardin. Dort sieht es aus wie in den 60ern.
Antonio ist gleich auf den ersten Blick zu erkennen. Er ist er einzige in der Männerreihe, der selbstbewusst die Hände in die Hüfte stützt. Leonardo Nigro spielt Antonio, den Schwiegervater aus „Maria, ihm schmeckt’s nicht“. Der Roman des Meerbuscher Autors Jan Weiler wird verfilmt – derzeit drehen die Produktionsfirmen aus München und Rom in der stillgelegten Krefelder Brennerei Dujardin. Dort erinnert alles an die 60er Jahre: Die Unterhosen der Männer, die Frisur der Arzthelferin, die Maggi-Dosen im Wohnheim, die Imbiss-Bude gegenüber. „Der junge Italiener Antonio sucht Arbeit in Krefeld und muss sich vom Amtsarzt untersuchen lassen“, erklärt Produktionsleiter Patrick Brandt.
Am Set gibt es kaum jemanden, der den Erfolgsroman von Jan Weiler nicht gelesen hat. Darin erzählt Weiler, der 1988 in Strümp sein Abtur gemacht hat, seine eigene Geschichte: Ein Rheinländer verliebt sich in die Tochter einer Krefelder italienischen Familie und hat es nicht leicht, seinen Schwiegervater für sich zu gewinnen. Heute lebt der Autor in Bayern, ist seiner Heimat aber immer noch verbunden: „Ich habe hier viele Freunde und wir gehen immer noch gerne ins Canapee nach Osterath. Nur leider bin ich viel zu selten hier“, sagt er.
Produktionsleiter Brandt gefällt die Romanvorlage des Meerbuschers sehr, und auch seine italienischen Kollegen wie Andrea Marchi sind begeistert. „Neben dem Humor gibt es auch viele Aspekte zum Nachdenken“, erklärt der Genuese. Was ihn wundert: „Im Buch haben stets die Frauen das Heft in der Hand. Ist das in Deutschland immer so?“ Rund um die beiden Männer ist in der alten Fabrik ganz schön was los.
Etwa 60 Personen sind im Einsatz, von morgens früh bis in die Nacht hinein. Darunter befinden sich viele Statisten: Als junge Einwanderer haben die Produzenten 50 Krefelder Männer mit italienischem Aussehen gesucht. „Sie machen alles super mit. Die Stimmung ist zwar manchmal stressig, aber eigentlich toll“, erzählt Graziana Buonamassa mit Blick auf die Herren, die sich in Drehpausen in flauschige Bademäntel hüllen. Die junge Frau arbeitet in der Requisite – das Team hat sie aus Italien mitgebracht. Denn die ersten Szenen für den Film, der im Sommer in die Kinos kommen soll, wurden in Apulien gedreht. Dort jobbte Graziana in einer Bar, und arbeitet nun im italienisch-deutschen Team mit.
Liebe zum Detail
Kabel und riesige Scheinwerfer, zieren die Fabrikhalle. Beleuchter, Tonmann und Maskenbildnerin huschen durch den Raum, den Szenenbildnerin Martina Hug mit viel Liebe zum Detail in die 60er Jahre zurückversetzt hat. „Die Bettwäsche im Wohnheim, das Dampfbügeleisen, ja selbst Knöpfe an Mänteln müssen zur dargestellten Zeit passen“, erzählt sie. Da ruft Regisseurin Neele Vollmar (Friedliche Zeiten) „Achtung, Ruhe bitte!“, Kameramann Torsten Breuer bringt sich in die richtige Position, und der Dreh geht weiter.
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