Meerbusch: "Furchtbare Krankheit"
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 26.10.2009Düsseldorf (RPO). Ernst J. Fischer aus Geldern hat als Arzt die letzten großen Polio-Wellen in Deutschland erlebt. "Es ist eine furchtbare Krankheit, und sie verlangte das Äußerste von uns ab", sagt der rüstige 90-Jährige.
Am Klinikum in Essen hatte er in den 1940er Jahren die ersten Eisernen Lungen eingesetzt – Hohlzylinder zur Beatmung der Erkrankten. "Zwei Fälle von jungen Frauen in der Schwangerschaft haben mich mitgenommen", sagt Fischer. Die Frauen mussten in der riesigen Metallröhre beatmet werden, weil Polio ihre Lungenmuskulatur lähmte.
Gleichzeitig war die Geburt nicht aufzuhalten, so dass der Arzt die Mütter aus der Maschine nehmen musste, um das Leben des Kindes retten zu können. Dramatische Entscheidungen wie diese prägten Fischer als Arzt, und er setzt sich bis heute dafür ein, dass die Welt von der Menschheitsgeißel befreit wird – als Rotarier. "Für die nächsten zwei Jahre brauchen wir weitere 1,5 Milliarden Dollar", sagt Oliver Rosenbauer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf.
"Wenn sich alles weiter so positiv entwickelt, könnte Nigeria schon in zwölf Monaten poliofrei sein", sagt Rosenbauer. Neue Hoffnung, das Virus endgültig zu verbannen, gibt vor allem aber auch ein neuer so genannter "bivalenter" Impfstoff. Er soll im Dezember kommen und schützt vor beiden noch grassierenden Varianten des Polio-Virus.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum