Meerbusch: Hallo Ü-Wagen: Reichtum verpflichtet?
VON CLAUDIA BREISA - zuletzt aktualisiert: 21.05.2007Düsseldorf (RPO). Geld macht schön. Geld macht glücklich. So, oder so ähnlich klingen viele stereotype Aussagen darüber, welche Auswirkungen viel Geld auf die Menschen hat, die es besitzen.
Doch zu was verpflichtet Reichtum die, die auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen scheinen? Diese Frage stellte WDR 5-Moderatorin Julitta Münch drei geladenen Experten und interessierten Zuschauern und Zuhörern auf dem Alten Schulhof in Lank-Latum, wo sie mit ihrer Live-Sendung „Hallo Ü-Wagen“ am Samstag von 11.05 bis 13 Uhr Station machte. Nicht ohne Grund war Meerbusch als Übertragungsort ausgewählt worden. Schließlich handelt es sich hier nicht nur um die Stadt mit der höchsten Kaufkraft in Nordrhein-Westfalen. In Meerbusch leben die meisten Millionäre in NRW.
Dagobert Duck: Nur ein Klischee?
Den Anfang machte dann auch einer der Superreichen. Disney´s Zeichentrick-Ente Dagobert Duck erfüllt alle Klischees vom geizigen, milliardenschweren Magnaten, der wie festgeklebt auf seinem Geld sitzt und nicht teilen will. Doch sind Reiche wirklich so? Die befragten Zuschauer äußerten sich unterschiedlich. Manche ja, andere, wie die Wahlmeerbuscherin Verona Pooth, gingen durch ihr großes soziales Engagement mit gutem Beispiel voran, so der Tenor.
Professor Dr. Thomas Druyen, Inhaber des Lehrstuhls für vergleichende Vermögenskultur und Soziologe an der Uni Münster, plädierte dafür, zwischen egoistischen Reichen und „Menschen, die mit ihrem Vermögen Gutes zu tun vermögen“ zu differenzieren. Ein professionalisiertes und mit mehr Anreizen versehenes Stiftungswesen in Deutschland könne effizienter arbeiten als einzelne Stiftungen, erklärte er. „Geld gehört in den sozialen Kreislauf“, sagte die Geschäftsführerin der Breuninger Stiftung, Dr. Helga Breuninger. Für sie, die aus reichem Hause stammt, sei klar, dass man die Versorgung der Schwachen in einer Gesellschaft nicht nur auf die Kommunen abwälzen könne, sondern als reicher Mensch auch etwas zurückgeben müsse. „Der Staat sollte im Dialog mit seinen Bürgern stehen. Nur zusammen können wir die Probleme lösen“,meinte die Stuttgarterin, die von ihren Eltern beigebracht bekam, dass Geld der Lohn für erbrachte Leistung sei.
Kein Gesetz verpflichtet Reiche
Applaus bekam besonders Professor Heinz-Josef Bontrup, der für eine strengere Steuergesetzgebung gegenüber Reichen eintrat. „Es gibt momentan kein Gesetz, das Reiche verpflichtet der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Innerhalb der letzten 15 Jahre sind wir in Deutschland von der gerechten Besteuerung nach Leistung abgekommen“, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler.
Obwohl nicht ganz so viele Zuschauer gekommen waren, wie bei anderen Übertragungen, zeigte sich Moderatorin Münch zufrieden. „Mir ist wichtig, das die Diskussion Fragen hinterlässt und zum Nachdenken anregt.“
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