Meerbusch: Im Galopp in die Sackgasse
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012Meerbusch (RP). Brigitte und Robert Daniels aus Nierst kritisieren das Vorhaben der SPD, für Meerbusch eine Pferdesteuer einführen zu wollen. Dadurch würde aus einem Standortvorteil ein Wettbewerbsnachteil.
Nierst Ackerbau und Viehzucht bieten für Robert und Brigitte Daniels schon länger keine Existenzgrundlage mehr. Anfang der 90er Jahre hatte das Landwirtsehepaar am Oberen Feld in Nierst noch 600 Schweine und mehr als 200 Gänse gemästet und später einen eigenen Hofladen betrieben. Erdbeeren, Spargel, Kartoffel – die Nachfrage war anfangs groß. "Das hat sich alles nicht mehr gerechnet, der Preisverfall vor allem fürs Schweinefleisch war enorm", sagt Robert Daniels.
Schritt für Schritt hat er die Scheunen zu Stallungen umgebaut. Heute haben 45 Pferde in den Boxen ein Zuhause: Friesen, Araber, Oldenburger, Rheinländer, Trakehner, aber auch Shetland-Ponys. "Die Entscheidung war überfällig", sagt Ehefrau Brigitte. Der Hof mit 18 Hektar Land, vielen Weiden und direkt hinter dem Rheindeich gelegen bietet tolle Bedingungen vor allem für Freizeitreiter. Inzwischen ist auch eine 800 Quadratmeter große Reithalle hinzugekommen, eine zweite in Planung. Eigentlich ein Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen.
Reitabgabe
Das Reiten in der freien Landschaft und im Wald ist nur erlaubt, wenn ein am Pferd beidseitig angebrachtes gültiges Kennzeichen geführt wird. Mit der Ausgabe der Kennzeichen oder des zu erneuernden Aufklebers wird die Reitabgabe erhoben. Sie beträgt 25 Euro, für Reiterhöfe 75 Euro, je Kennzeichen und Jahr.
"Die SPD ist dabei, aus unserem Standortvorteil einen Nachteil zu machen", schimpft Brigitte Daniels. Der Vorschlag der Sozialdemokraten, für Meerbusch eine Pferdesteuer einführen zu wollen, würde – falls er eine Mehrheit bekommt – für Daniels und viele anderen Landwirte in der Stadt in eine Sackgasse führen. "Das wäre ein Wettbewerbsnachteil, der nicht aufzufangen wäre", sagen die Daniels.
In Nierst zum Beispiel lebten bis auf einen Bauern alle von und mit Pferden. "Wir wissen von Besitzern, die wegen eines Preisvorteils von zehn Euro den Stall gewechselt haben", berichten die Nierster im RP-Gespräch. Nach Einführung einer Pferdesteuer würden ihnen viele Kunden den Rücken kehren und in eine andere Stadt abwandern. "Dabei zahlen wir schon Steuern genug – auch Umsatzsteuer von 19 Prozent", berichtet Brigitte Daniels.
Die SPD hat ihre Idee noch nicht begraben. Für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, heute ab 17 Uhr im Verwaltungsgebäude am Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich möchten Ilse Niederdellmann und Jürgen Eimer von der Stadtverwaltung Antworten auf eine ganze Liste von Fragen. Eine Auswahl: Wer beseitigt die Schäden an Meerbuscher Reitwegen? Wie werden die Kosten ermittelt, und wer trägt sie? Wie viele Pferde sind für Meerbusch für die private Nutzung gemeldet?
Für Robert und Brigitte Daniels ist klar, diese Politik steuert in eine Sackgasse. Die Pferdewirtschaft sorge nicht zuletzt für Wirtschaftskraft und Lebensqualität.
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