Meerbusch: Ja zum Mauer-Mahnmal
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 24.06.2010Düsseldorf (RPO). Ein 2,7 Tonnen schweres Fragment der Berliner Mauer soll in Meerbusch aufgestellt werden. Das beschloss eine Mehrheit aus CDU und FDP im Kulturausschuss. Nun wird ein Standort gesucht.
20 Jahre nach der Wiedervereinigung sollen nun auch in Meerbusch zwei 3,60 Meter hohe, zusammen 2,7 Tonnen schwere Teile der Berliner Mauer an Deutsche Teilung und Überwindung der SED-Diktatur erinnern. Die Stadt bekommt das Relikt von einem (bislang nicht öffentlich genannten) Düsseldorfer Arzt geschenkt, muss allerdings Transport und Aufstellung bezahlen.
Eine Mehrheit aus CDU und FDP sprach sich nach einem teils emotionalen Austausch von Argumenten im Kulturausschuss für die Annahme des Geschenks aus. SPD, Grüne und UWG votierten dagegen. Nun muss ein Standort für das Mauer-Mahnmal gesucht werden. Gemeinsam stimmten die Parteien für den Einbau eines weiteren, kleineren Mauer-Bruchstücks in eine Wand der Gesamtschule. Dieses Teil spendet ein Meerbuscher.
Bei der Entscheidung über die Annahme der Mauer-Spende ging es letztlich um die Frage, welche Beziehung Meerbusch zur Berliner Mauer hat und welche Form des Erinnerns angemessen ist.
SPD-Ratsfrau Nicole Niederdellmann-Siemes konnte zwischen der Berliner Mauer und Meerbusch keinen direkten Zusammenhang ausmachen und empfand auch den von der Verwaltung vorgeschlagenen Standort (im künftigen Park neben dem neuen Wertstoffhof in Strümp) als unglücklich. Sie plädierte daher dafür, nur das für die Gesamtschule vorgesehene Mauerfragment anzunehmen.
Grünen-Vertreterin Irmtraud Richter sprach sich dafür aus, "prägende Bauwerke der Vergangenheit an ihrem Ort stehen zu lassen". Aufgrund der bunten Bemalung des Betons durch den Künstler Thierry Noir befürchtete sie die Gefahr der Verniedlichung. "Die Mauer ist kein Kunstwerk – so ein Stück wird den unbeschreiblichen Terror nicht verdeutlichen".
Die größten Fürsprecher im Ausschuss fand das Mauer-Mahnmal im Ausschuss unter den Lehrern. CDU-Ratsherr Franz-Josef Radmacher, pensionierter Berufsschulleher, erinnerte sich, gut 25 Mal die Grenze zur ehemaligen DDR passiert zu haben: "Die Mauer steht für den Eisernen Vorhang, der die Welt in West und Ost, in Freiheit und Unfreiheit, geteilt hat. Für die Jugend ist das Geschichte, die nur in den Büchern steht. Diese Geschichte müssen wir lebendig machen". Radmacher schlug daher ein Schulgelände als wünschenswerten Standort vor – die Schule müsse natürlich zustimmen.
Schenkung "ein Glücksfall"
"Diese Schenkung ist ein Glücksfall", sekundierte CDU-Ratsherr und Gymnasiallehrer Mike Kunze. Nichts sei besser geeignet, jungen Menschen beim Verstehen von Geschichte zu helfen als etwas, das sie anfassen könnten.
"Die Mauer stand zwar in Berlin, aber ganz Deutschland war geteilt. Insofern ist Meerbusch sehr wohl betroffen", meinte FDP-Ratsfrau (und pensionierte Kindergarten-Leiterin) Gabriele Schmidt.
Transport und Aufstellung dürften die Stadt "nicht mehr als 5000 Euro kosten", erklärte Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westerlage nach Rücksprache mit Spediteuren. Es habe sich auch schon ein Sponsor gemeldet. Kommentar
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