Meerbusch: Jagdfrevel aktenkundig
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 26.01.2009Düsseldorf (RPO). Der Büdericher Thomas Nachtigal fotografierte zahlreiche Verstöße gegen Jagdvorschriften. Ordnungsamt des Rhein-Kreises Neuss erkennt illegales Verhalten und leitet Verfahren ein.
Mit massiven Verstößen gegen die Jagdvorschriften beschäftigen sich inzwischen mehrere Behörden des Rhein-Kreises Neuss. Der Büdericher Thomas Nachtigal hat den Stein ins Rollen gebracht. Die Liste der Vorwürfe ist lang und zum großen Teil fein säuberlich mit Fotos dokumentiert. "Die kann niemand ignorieren", erklärte der 37-Jährige im RP-Gespräch. Vertreter der Unteren Jagdbehörde und Amtstierärztin Dr. Annette Kern haben sich inzwischen in Büderich, Strümp und Lank-Latum ein Bild von den illegalen Zuständen in den Jagdrevieren gemacht. Entsprechende Verfahren gegen die noch unbekannten Verantwortlichen seien bereits eingeleitet, erklärte Hans-Joachim Klein, Leiter der Ordnungsbehörde im Rhein-Kreis.
Mitgliedschaft
Thomas Nachtigal ist Mitglied der ornithologischen Schutzgemeinschaft in der Nähe von Bremen.
Außerdem ist er seit drei Monaten Mitglied im Verein Abschaffung der Jagd e.V.
Internet: www.abschaffung-der-jagd.de/printable/bildergalerie/jagdvergehenimnaturschutzgebiet/index.html
Die Vorwürfe: Meerbuscher Jäger haben mehrere illegale und großflächige Luderplätze angelegt. Luderplätze sind Stellen, an denen mit Aas vor allem der Fuchs zum Abschuss angelockt werden soll. Große Kadaver von Tauben, Rehen und Gänsen habe er entdeckt, berichtet Nachtigall. Ferner werde illegal gefüttert. Die Mengen gehen weit über den Tagesbedarf der Tiere hinaus. Um der dadurch entstehenden Ratten- und Mäuseplage Herr zu werden, werde Rattengift ausgelegt. "Und das sogar im Naturschutzgebiet", erzählt der Büdericher. "Ganz böse und im Naturschutzgebiet noch böser", beurteilte Klein salopp den Tatbestand. Nachtigals Liste der Verstöße ist damit noch nicht zu Ende. Jäger würden ihre Patronenhülsen mit Bleiresten in Feld und Flur liegen lassen, sie würden aus dem Auto heraus auf Wild anlegen und schießen, sie würden illegale Lebendfallen benutzen und im Naturschutzgebiet künstliche Fuchsbauten errichten, um den Nachwuchs des durch Füttern angelockten Fuchses zu töten.
"Ich bin kein Jagd- und Jägerhasser", sagt Nachtigal. Der Tierfreund beschäftige sich nach eigener Aussage erst seit rund einem halben Jahr mit dem Tun der Meerbuscher Jägerschaft. "Ich habe über das, was erlaubt und nicht erlaubt ist, im Internet recherchiert", berichtet der gebürtige Norddeutsche. Den Anstoß habe ein "völlig hysterisches Jägerpaar" gegeben, das mit seinem Geländefahrzeug über ein "Stoppelfeld in Büderich geprescht" sei, um ihn mit Nachdruck lautstark aufzufordern, seine beiden englischen Hütehunde anzuleinen. Kurze Zeit später habe er "streng verbotene Krähenfallen" entdeckt. "Und dann habe ich immer weiter geforscht".
Mit dem Ergebnis seiner Forschung beschäftigt sich nun der Rhein-Kreis Neuss. Unter anderem würden im Veterinäramt auch Kadaver von Greifvögeln und Gänsen untersucht, erklärt Klein. Nachtigal hält es für unverantwortlich, dass die Jäger der Gefahr der Vogelgrippe offenbar so wenig Beachtung schenken.
Ulrich Vomberg, Sprecher des Hegerings 7 in Meerbusch, sind die Vorwürfe nicht bekannt, aber er kennt die Vorschriften und Gesetze – so sagt er – und ahnt, dass offenbar etwas im Argen liegt.
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