Meerbusch: K. sitzt in der JVA Gera
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 03.03.2010Düsseldorf (RPO). Der 37-jährige frühere Ratsherr ist in Düsseldorf zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein zweiter Prozess in Thüringen wird am 12. März fortgesetzt. Ein Ende ist noch nicht in Sicht.
K.'s Kinder werden wahrscheinlich bis in ihre Schulzeit ohne ihren Vater auskommen müssen. Der frühere FDP-Ratsherr aus Meerbusch sitzt in einer Justizvollzugsanstalt in Thüringen ein und wartet dort auf sein Urteil vor dem Landgericht Gera. Ihm wird vorgeworfen, fast 50 Luxusautos wie Ferrari, Porsche und Mercedes zum Kauf angeboten, Anzahlungen kassiert, aber die Fahrzeuge nie ausgeliefert zu haben. Der Schaden soll etliche hunderttausend Euro betragen. "Ein Ende des Verfahrens ist noch nicht richtig in Sicht", erklärt Andrea Hoefs, Sprecherin des Landgerichts Gera.
Klarer sieht der ehemalige Kreis- und Kommunalpolitiker K. aus Büderich in einem anderen Prozess: Das Landgericht Düsseldorf hat den 37-jährigen Juristen vor gut zwei Wochen zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren wegen gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hatte K. durch breit angelegten Anlagebetrug einen Millionenschaden verursacht. K. selbst hatte jede Aussage verweigert.
JVA Gera
Die heutige Justizvollzugsanstalt Gera ist kein typischer Gefängnisbau. Ehemals als Vereinshaus gebaut wurde er 1876 zur Brauerei umgebaut.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine Nutzung als Frauengefängnis. In dieser Zeit wurde auch die Untersuchungshaft des Gerichtsbezirks Gera und ein sogenanntes Arbeitslager in Gera-Liebschwitz betrieben. Bis zur Schließung 1991 wurde die Anstalt überwiegend als Untersuchungshaftanstalt für männliche und weibliche Gefangene durch das Ministerium des Innern der ehemaligen DDR genutzt.
Die Wiederinbetriebnahme der Anstalt als Justizvollzugsanstalt Gera erfolgte 1999 nach einer grundlegenden Sanierung und einem umfassenden Umbau.
http://www.thueringen.de/de/justizvollzug/gera/wir/
Gesprächiger waren die Mitangeklagten. Fünf davon hatten Geständnisse abgelegt, ein Sechster immerhin eingeräumt, er habe in Kauf genommen, dass angebliche Geschäfte nur vorgetäuscht gewesen seien, um Geldanleger zu betrügen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wurden wertlose Aktien an rund 160 Anleger verkauft und die Opfer um etwa 2,3 Millionen Euro geprellt.
In Gera steht die nächste Verhandlung vor der 9. Kammer mit dem Vorsitzenden Richter Gerhard Rassier am Freitag, 12. März, im Sitzungsplan. Weitere Verhandlungstage sind am Donnerstag, 18. März, Donnerstag, 25. März, und Mittwoch, 7. April, angesetzt, informiert Andrea Hoefs. Der Prozess sei noch nicht so weit fortgeschritten, dass die Staatsanwaltschaft ein Strafmaß beantragt hätte, erklärte Rassier gestern.
Dem Vernehmen nach belasten sich die Angeklagten in ihren Einlassungen gegenseitig. K. wird in Gera von Albert Kletti und Andreas Steffen anwaltlich vertreten. "Ich gebe keine Auskünfte zum Stand des Verfahrens und zu meinem Mandanten", sagte Steffen gestern auf RP-Anfrage.
K. hatte in der Vergangenheit stets betont, es bestehe zu den Mitangeklagten kein Mittäterverhältnis, sondern lediglich eine "Mandanten-Beziehung".
K. wurde im September 2007 verhaftet, später aus der U-Haft entlassen, weil er in einer sozial sicheren Verbindung mit Frau und Kind lebte und der Richter keine Fluchtgefahr sah. Im Februar 2009 wurde der frühere Ratsherr und Anwalt in einer Aufsehen erregenden Aktion auf der Autobahn erneut verhaftet – zu einer Zeit als K. gerade Vater einer kleinen Tochter wurde.
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