Meerbusch: Krise in der SPD
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 11.12.2007Düsseldorf (RPO). Wie die RP exklusiv erfahren hat, ist Marius Luciano aus dem Stadtverbandsvorstand zurückgetreten. Nun rumort es hinter den Kulissen. Lank-Latumer sehen sich von Büderich-Osterather Allianz dominiert.
Dr. Lothar Beseler
Dr. Lothar Beseler, ehemaliger Arbeitsrichter, stand für den Aufbruch der SPD in Meerbusch. Nachdem die CDU 1989 die absolute Mehrheit verloren hatte, wählte die so genannte Ampelkoalition im Stadtrat den Strümper zum ersten Bürgermeister. Beseler verstand es, über die Parteigrenzen hinweg Ansehen zu gewinnen und als Vorsitzender des Stadtrates zu moderieren.
Bei der Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister galt er als ernsthafter Gegenkandidat von Dieter Spindler und holte 30 Prozent. Bei Ilse Niederdellmann waren’s fünf Jahre später nur noch 21 Prozent.
Die Krise der Meerbuscher SPD begann 1990. Ein Jahr nach dem größten Wahlerfolg waren die Sozialdemokraten mit einem ihrer Partner schon so sehr über Kreuz, dass sie dem Werben der CDU für die so genannte Elefantenhochzeit erlagen. Die Quittung kam eine Wahl später. Seit 1994 nimmt die CDU wieder ihre angestammte Rolle ein und dominiert im Stadtrat mit absoluter Mehrheit. Der SPD gelang es seitdem nicht mehr, aus dem Schatten der CDU zu treten. Schlimmer noch: Die Sozialdemokraten verloren selbst in ihren Hochburgen bisweilen komplett das Vertrauen der Wähler.
Und jetzt müssen die Genossen wieder einen Rückschlag verdauen: Marius Luciano, Jura-Student und Hoffnungsträger, trat mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender zurück. Aus dem Ortsverein in Lank-Latum war zu hören, dass der ehemalige Juso-Vorsitzende gegen die Front der Parteikollegen aus Büderich und Osterath auf verlorenem Posten gestanden habe.
Der Konflikt zwischen den Stadtteilen tritt einmal mehr offen zutage. Und die Protagonisten scheinen dieselben zu sein wie 2004 als Hans Werner Schoenauer vom Ortsverein Lank-Latum als Fraktionsvorsitzender eiskalt abserviert wurde. Strippenzieher damals wie heute: Ilse Niederdellmann (Fraktionsvorsitzende aus Büderich) und Jürgen Eimer (stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Fraktionsgeschäftsführer aus Osterath). Mit den beiden hätten sich die Verlierer der Kommunalwahl an die Spitze gesetzt, kommentierte Schoenauer damals die Entwicklung in der SPD.
Mit dem Juristen und Hausmann Alexander Jankowski habe zwar inzwischen der Vorsitzende des Stadtverbands gewechselt, doch sei der neue Spitzenmann bei kaum einem Termin zu sehen, lautet interne Kritik. Präsent und aktiv sei vielmehr der auf Landes- und Bundesebene sehr geschätzte Marius Luciano gewesen. Luciano selbst wollte sich auf Anfrage der RP nicht äußern. Wie es heißt, habe er in einem dreiseitigen Schreiben die Gründe für seine Entscheidung sehr moderat mitgeteilt. Unter anderem sei darin von einem „angespannten Klima im Vorstand“ und „mangelhaftem Vertrauen“ die Rede.
Luciano hat sich bei der Wahl des Stadtverbandsvorstands gegen Ilse Niederdellmanns Tochter Nicole durchgesetzt und die Mehrheit für das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden bekommen. Nach einer andauernden Politik der Nadelstiche solle dieses Ergebnis nun korrigiert werden. Bereits am Donnerstag will die SPD den Nachfolger Lucianos wählen. Als Kandidatin ist Nicole Niederdellmann-Siemes im Gespräch. Und auch Vater Jürgen Niederdellmann habe seine Rückkehr ins Geschehen angekündigt: zunächst mal bei der Arbeiterwohlfahrt.
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