Meerbusch: Künstler hat Klerus auf dem Kieker
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 12.02.2010Düsseldorf (RPO). "Die Werke sind für mich grenzwertig, aber ich kann nicht nur bequeme Kunst zeigen", sagt Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westerlage. Von Sonntag, 9. Mai, bis zum 24. Mai will die Stadt Arbeiten des in Montenegro geborenen Düsseldorfer Künstlers Arandus zeigen.
"Seine Arbeiten haben einen klerikalen Hintergrund", sagt Mielke-Westerlage. Die Bilder haben nicht nur einen klerikalen Hintergrund, sie deuten mehr oder weniger deutlich etwas an, das im Moment sehr im Gespräch ist. Die Neigung einzelner Geistlicher, sich an kleinen Jungen und Mädchen zu vergehen. Die Aktualität der Ausstellung unterstreichen Medienmeldungen wie die über die Missbrauchsvorwürfe gegen Jesuiten-Padres am Canisius-Kolleg in der Bundeshauptstadt Berlin.
Die Problematik, dass Betrachter eventuell in ihrem religiösen Empfinden empört reagieren könnten, sei ihr bekannt. "Ich habe die Bilder im Atelier des Künstlers vorbesichtigt und die für die Präsentation bestimmten Werke nicht unbewusst ausgesucht", erklärt die Kulturdezernentin im RP-Gespräch.
Dabei will Arandus nach eigenen Angaben nicht provozieren, auch nicht diffamieren. "Ich glaube selber an Gott. Nur nicht an die Institution Kirche." Als Katholik sieht er seine Werke vor allem als Selbstkritik. "Ich bin ja Teil dieser Kultur. Einerseits fasziniert mich die spirituelle Seite, andererseits schreckt mich die Doppelmoral, die Geschäftemacherei ab."
Priester und kleine Mädchen
Neben klerikalen Figuren, anonymisiert und entfremdet durch Sonnenbrillen, beschäftigen Arandus vor allem Frauenfiguren. Kleine Mädchen, die angesichts der Priesterschaft erstarren, verlegen an ihren blonden Zöpfen nesteln. Frauen, mal unschuldig, mal erotisch lockend im Bikini-Höschen, mal gealtert. Ihn fasziniert "die Vergänglichkeit von Schönheit und Jugend, die Umkehr zu inneren Werten, zur Spiritualität."
Die Bremer Tageszeitung beschrieb die Eindrücke der Ausstellung wie folgt: Die Auswahl zeige im Wesentlichen "in sehr großen Formaten Priester – Priester mit kleinen Kindern. Die dunklen Gestalten – die schwarze Soutane des katholischen Geistlichen ist für den Maler willkommener Anlass für formale Reduktion und markante Silhouetten – überragen, bedrängen, bedrohen die kleinen Jungen und niedlichen blondbezopften Mädchen."
Arandus ist 1964 geboren und hat in Düsseldorf an der Staatlichen Kunstakademie bei Professor Michael Buthe studiert. Er lebt und arbeitet in der Landeshauptstadt. Seine Arbeiten waren unter anderem in Österreich, Slowenien Spanien, Italien, Russland und Montenegro zu sehen.
Für den Herbst hat Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westerlage eine Ausstellung mit Arbeiten des Beuys-Schülers Anatol – ebenfalls in der Teloy-Mühle in Lank-Latum – vorgesehen.
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