Meerbusch: Lichtkunst: Bürger in Rage
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 01.10.2009Düsseldorf (RPO). "Überflüssig und zu teuer": Die geplante Illumination des Medienzentrums am Dr.-Franz-Schütz-Platz für 46.200 Euro plus Folgekosten sorgte Mittwoch am Heißen Draht der RP für reichlich Bürger-Protest.
Auf den ersten Blick ist der Gedanke bestechend: Ein buntes Lichtkunstwerk, wie es sonst nur in pulsierenden Großstädten zu finden ist, dessen Glanz abends das neue Medienzentrum erhellt. So wird auch der öde Schütz-Platz beleuchtet, und auf Meerbusch fällt ein bisschen Metropolen-Glanz ab. Die 46 200 Euro-Idee, die Fachjury und Politik überzeugt hat, bringt viele Bürger in Rage. Rund 30 Bürger machten gestern beim Heißen Draht der RP ihrem Unmut Luft. Tenor: Die hoch verschuldete Stadt sollte das Geld besser für längere Straßenbeleuchtung sowie für Schulen und Kitas ausgeben.
"Die Lichtkunst ist überflüssig und viel zu teuer", sagen Ulrike und Thomas Günster aus Strümp. "Das muss ganz schnell gestoppt werden, da gehen doch der Politik die Gäule durch", meint Jürgen Meyer aus Osterath. "Das ist eine Unverschämtheit. Nachts werden die Laternen abgestellt – und dann wird das Geld so zum Fenster hinausgeworfen", ärgert sich Siegrid Engnath aus Büderich. "In den Straßen am Rand von Osterath ist es nachts stockdunkel, aber der leere Schützplatz soll ausgeleuchtet werden", sekundiert Annemarie Tzschichholz. "Die Stadt sollte das Steuergeld nicht mit Licht verprassen", hebt Dorothee Heinz aus Strümp hervor.
Auch Fachleute melden sich zu Wort. Ingenieur Dieter Röhrbein aus Bösinghoven hat den Verdacht, dass die Stromkosten für die 24 leistungsstarken Projektoren noch deutlich teurer werden als die vom Künstler veranschlagten 2200 bis 2500 Euro pro Jahr für Reservelampen. Kunstberaterin Marianne Pannen schätzt die Stuttgarter Arbeit des von der Jury ausgewählten Lichtkünstlers Götz Lemberg sehr: "Für den belebten Schlossplatz mitten in Stuttgart ist so etwas eine Bereicherung. Aber der Schütz-Platz ist doch abends leer". Besser wäre es ihrer Meinung nach, zu versuchen, den Platz anderweitig attraktiver zu machen.
"Wenn die Büdericher unbedingt Metropole spielen wollen, hätten sie sich nach Düsseldorf eingemeinden lassen sollen", konstatiert Klaus Anger aus Osterath trocken. "Uns Bürgern mutet man ständig höhere Gebühren zu. Und dann denken sich ein paar Leute am Biertisch so einen teuren Unfug aus und machen sich keine Gedanken über die Folgekosten", kritisiert Heinrich Kämpken aus Strümp. Bernd Hoffmann (Osterath) ärgert sich besonders darüber, dass sich die Stadt offenbar keine Gedanken darüber gemacht hat, dass sie eine Entschädigung zahlen muss, wenn sie die Lichtkunst wieder abbauen sollte: "Das ist doch dilettantisch". Ingrid Schiller aus Büderich schlägt vor, dass die Stadt erst dann Lichtkunst erwirbt, wenn der Schützplatz "freundlicher gestaltet" sei. Vorher mache das keinen Sinn. Das sieht auch Heinz Kuhnert (Büderich) so: "Vielleicht lohnt sich das in 20 Jahren". "Es wäre besser, das Geld für einen vernünftigen Radweg auf der Dorfstraße auszugeben", schlägt Annemarie Müsch aus Büderich vor.
Der künftige Ratsherr Christian Staudinger-Napp (UWG) will nun wissen, ob es nicht möglich ist, das Projekt Lichtkunst zeitlich zu begrenzen. Frage des Tages
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