Meerbusch: Lizenz zum Bohren
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 26.06.2009Düsseldorf (RPO). Die Bezirksregierung Arnsberg verwirft die Bedenken der Stadt und legt das Gebiet für Tiefenbohrungen zugunsten eines Krefelders fest, um die Erdwärme für ein Kraftwerk nutzbar zu machen.
Grünes Licht für den Krefelder Wolfgang Hoever. Gegen die Bedenken der Stadt Meerbusch hat die Bezirksregierung Arnsberg ihm das Monopol für Probebohrungen bis zu 5000 Meter Tiefe in einem 357 Quadratkilometer – Meerbusch verfügt komplett über 64 Quadratkilometer Fläche – großen Areal zugesprochen. "Die Genehmigung ist wie beantragt erteilt worden", sagt Heiko Bechert, Umweltexperte in der Stadtverwaltung. Damit sei der "Claim" abgesteckt, erklärt er in Anspielung auf die Goldgräberzeiten im Wilden Westen der Vereinigten Staaten.
Und tatsächlich geht es um viel Geld und hohe Gewinnerwartungen: Hoever sucht einen geeigneten Standort für ein Erdwärmekraftwerk. "Es geht um ein Projekt mit einem Investitionsvolumen von 40 bis 60 Millionen Euro", sagte er im RP-Gespräch. In 5000 Meter Tiefe herrsche eine Temperatur von 200 Grad Celsius, die es gewerblich zu nutzen gelte. 20 Megawatt Strom soll eine zu errichtende Anlage pro Jahr mindestens produzieren.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. "Für jede Bohrung ist ein eigenes Genehmigungsverfahren notwendig", erklärt Bechert. Eine Tiefenbohrung führe zu erheblichem Lärm und Erschütterungen – und das in gut drei Monaten, sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Dabei seien Flächen in Wasserschutz-, Landschaftsschutz-, Naturschutz und reinen Wohngebieten eher ausgeschlossen, meinte er auch im Hinblick auf so genannte "unkalkulierbare Risiken". Der Stadtrat hatte gegen die Stimmen der Grünen dafür votiert, Meerbusch aus dem Untersuchungsgebiet Duisburg, Krefeld, Tönisvorst, Kempen und Willich herauszunehmen. Ersatzweise forderte Meerbusch die frühzeitige Vorlage einer Risikoabschätzung und ein Beweissicherungsverfahren, um möglich Schadensersatzansprüche geltend machen zu können.
Bechert erwähnte die Stadt Staufen im Breisgau, in der rund 160 Häuser – darunter auch das Archiv der Stadt – nach der Bohrung beschädigt und von Setzrissen durchzogen seien. Durch die Bohrung ist Wasser in Anhydrit führende Erdschichten gelangt. Das aufquellende Anhydrit habe die Erde angehoben und zu den Folgeschäden geführt, vermuten Experten.
Anhydrit finde sich in großer Tiefe auch in Nordrhein-Westfalen, sagt Dr. Ludger Krahn vom Geologischen Dienst NRW. Allerdings nicht im Großraum Düsseldorf und nicht in Meerbusch, ergänzt der Experte. "Ich sehe kein Risiko, das nicht technisch beherrschbar wäre und verweise auf die seit 1865 funktionierenden Bestimmungen im Berggesetz", sagt Dr. Krahn.
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