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Meerbusch: Männer der ersten Stunde

VON HEIKE SCHOOG - zuletzt aktualisiert: 23.01.2010

Düsseldorf (RPO). Zum 80. Geburtstag von Dr. Herbert Grabe hatten sie sich in Strümp versammelt – in der Mitte der Stadt, die sie alle noch mitgeplant haben und die es nicht gibt. Für die Rheinische Post erinnerten sie sich an die Anfänge. Die Meerbuscher Künstlerin Ulrike Mayer-Trede hat einen ganz eigenen Kunstansatz: Sie will Energie sichtbar machen. Und das am liebsten in Ton.

Dr. Ernst Handschumacher war erster Bürgermeister der neu gegründeten Stadt Meerbusch. Foto: RPO
Dr. Ernst Handschumacher war erster Bürgermeister der neu gegründeten Stadt Meerbusch. Foto: RPO

Dr. Ernst Handschumacher (85) war der erste Bürgermeister der Stadt Meerbusch, die vor 40 Jahren gegründet wurde. Der Rechtsanwalt schwelgt gerne in Erinnerungen. Denn ganz glatt lief die Zusammenführung der acht Gemeinden zu einer Stadt nicht. Mit der Kommunalen Neugliederung sollte die gerade einmal sechs Jahre alte Stadt 1976 wieder aufgelöst werden. Bürgermeister Handschumacher kämpfte um seine Stadt. Besonders gern erinnert er sich an den Auftritt des NRW-Innenministers Burkhard Hirsch (FDP).

Im Meerbusch Gymnasiums warb er für die Auflösung der Stadt. Doch tausende von Meerbuschern demonstrierten gemeinsam mit dem Bürgerkomitee "Ja zu Meerbusch". Handschumacher hielt eine flammende Rede, die Hirsch sehr aufbrachte. Er verlor für alle sichtbar die Beherrschung und stieß eine WDR-Kamera um. "Das war die Geburtsstunde von Meerbusch", sagt Handschumacher, immer noch glücklich über seinen damaligen Sieg. Zu seinem Triumph spielte die Kapelle das Jägerliebeslied von Waidmannsheil mit der Zeile "Ich schieß den Hirsch im wilden Frost."

Ein Mann, der ebenfalls Meerbusch seit den "Kindertagen" begleitet hat, ist Günther Lunkenheimer (81). Er war als Beigeordneter der Stadt Meerbusch zuständig für das Ordnungs-, Sozial-, Sport- und später auch für das Jugendamt. Wichtig war ihm der Bau des Seniorenheims in Osterath. Außerdem entwickelte er in seinem damaligen Amt den "Fahrbaren Mittagstisch" für ältere Menschen, da er festgestellt hatte dass es viele mittellose Senioren gab. Des weiteren realisierte er die Sportplanung in Meerbusch. Die Sportanlage "Am Eisenbrand" in Büderich wurde ausgebaut, ebenso mehrere völlig neue Sportplätze, die für Tennis und andere Sportarten genutzt werden. Wenn man ihn heute nach Meerbusch fragt, bezeichnet er die Stadt als "attraktiv. Dort kann man sich wohlfühlen."

Edgar Sonnenschein (79) merkt man seine langjährige Tätigkeit in der Verwaltung an. Er wählt seine Worte bedächtig, enthält sich politischer Kommentare. Der Erste Beigeordnete der Stadt – offiziell kam er als "Beauftragter für die Aufgaben des Stadtdirektors" 1970 von der Bezirksregierung mit dem Auftrag, die drei Verwaltungen Büderich, Osterath und Lank zu vereinheitlichen. Insgesamt seien die Beamten kooperativ gewesen, berichtet Sonnenschein. "Doch dass auch die Kassen gemeinsam geführt werden sollten, behagte nicht allen", erinnert er sich.

Dennoch: Für die meisten Ehemaligen aus den alten Verwaltungseinheiten war die Stadtgründung mit einer Beförderung verbunden, so dass es keinen ernsthaften Widerstand gab. Sonnenschein weiß auch, warum die weiterführende Schule in Strümp Meerbusch-Gymnasium heißt. Diese Schule wurde Ende der 60er Jahre gebaut. Für den Fall, dass die Stadt im Zuge der Kommunalen Neugliederung wieder aufgelöst werden sollte, wollten die Städter wenigstens ein Symbol dafür haben, dass es Meerbusch gegeben hat.

Noch eines hat den Verwaltungs-Chef stark beschäftig: die von der Landesregierung gewünschte Mitte für die Stadt. Gemeinsam mit dem damaligen Technischen Beigeordneten Dr. Herbert Grabe (80) hat Sonnenschein dafür gesorgt, dass ausreichend städtische Flächen in der geografischen Mitte Strümp gekauft wurden. Doch bevor ein Rathaus für alle dort entstehen konnte (mit Landesmitteln), forderten die Bürger ein Schwimmbad. Nichts von beiden steht heute dort.

Dafür sind die Flächen, die heute als Bauland verkauft werden, "eine potenzielle Goldgrube für die Stadt", so Grabe. "Wir haben mit renommierten Professoren geplant und ohne gesetzliche Notwendigkeiten die Bürger einbezogen." Frei nach dem Motto: "Opas Planung ist tot" überlegten Stadt und Bürger gemeinsam. Heute ist Bürgerbeteiligung Pflicht.

Quelle: RP

 
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