Meerbusch: Magie oder Humbug?
VON HEIKE SCHOOG - zuletzt aktualisiert: 31.12.2009Düsseldorf (RPO). Für viele Meerbuscher gehört der Blick aufs Horoskop zum täglichen Ritual. Manche schauen jedoch gar nicht, manche erst einen Tag später hinein. Pfarrerin Heike Gabernig warnt davor, sich von den Vorhersagen abhängig zu machen.
Keine Zeitung, kein Wochen- oder Monatsjournal ohne die Rubrik "Horoskop". Zum Jahreswechsel haben die Vorhersagen Hochkonjunktur, auch wenn nicht jeder zugibt, dass er sie liest. Die Frage nach dem Sternzeichen, Grundvoraussetzung, um das richtige Horoskop zu finden, löst Irritationen aus.
"Das ist wirklich eine seltsame Frage", sagt Dieter Spindler, Bürgermeister der Stadt. "Ich bin Wassermann", gibt er an. "Aber näher habe ich mich damit nicht beschäftigt." Nur beim Wort "aufsässig" merkt er auf. "Das habe ich im Zusammenhang mit dem Sternzeichen Wassermann schon einmal gehört", sagt Spindler, der diese Eigenschaft auf sich nicht beziehen kann.
Frauenquote
Einer Umfrage des "polis-Instituts" zufolge liest rund jeder zweite Deutsche zumindest gelegentlich Horoskope. Allerdings glauben nur rund sechs Prozent der Bundesbürger auch an die Vorhersagen der Astrologen. Mit 62 Prozent ist die Quote bei den Frauen deutlich höher als bei den Männern.
Keine Schicksalsgläubigkeit
Klar und eindeutig grenzt sich die Lanker Pfarrerin Heike Gabernig von Horoskopen ab. "Ich halte das für gefährlich", sagt sie. Die Vorstellung, dass jemand sein Leben nach den Aussagen eines Horoskops ausrichtet, ist für sie unvorstellbar. "Das geht gar nicht. Gott hat uns als freie Menschen mit einem freien Willen geschaffen", sagt sie. Und den solle man gegen jede Art von Schicksalgläubigkeit auch setzen.
Anders sieht das Maja Dorfer. Sie ist Zwilling und schaut sich gern Horoskope an. "Das gehört für mich zur Tradition. Ich habe zur Geburt ein richtig ausgearbeitetes bekommen und finde es höchst interessant, was darin steht", sagt sie. Positive Eigenschaften nimmt sie an, an den "negativen kann man arbeiten", ist sie überzeugt.
Auch ihr Mann Franc Dorfer (Unternehmens- und Finanzberater) ist den täglichen Horoskopen gegenüber nicht abgeneigt. Allerdings liest er sie erst einen Tag später. "Aus der Retrospektive betrachtet ist das in Ordnung. Sonst wird's schwierig. Dann könnte im positiven wie im negativen Sinne so eine Art self fullfilling prophecy eintreten", fürchtet er. Er ist Stier. Ob Stier und Zwilling zusammen passen, hat er unter astrologischen Gesichtspunkten nicht überprüft. "Aber es ist spannend", kommentiert er.
CDU-Fraktions-Chef Werner Damblon (Widder) kann sich nicht vorstellen, dass Horoskope eine allgemein gültige Aussagekraft haben "Dann müssten doch alle, die in einem Monat geboren sind, gleiche Eigenschaften haben", findet er. "Und das ist nicht so." Allerdings gesteht er ein, dass er ab und zu schon einmal mit dem Kopf durch die Wand will. Eine Eigenschaft, die allerdings vielen Sternzeichen zugeordnet wird, besonders denen mit Hörnern.
Nur bei allergrößter Langeweile liest Dr. Bernd Schumacher (FDP, stellvertretender Bürgermeister) Horoskope. "So etwa fünfmal im Jahr", sagt der Urologe, dessen Sternzeichen Stier ist. Da trifft er sich mit SPD-Fraktions-Chefin Ilse Niederdellmann (Skorpion), die keine Horoskope liest "Nur manchmal das von meinem Mann", gibt sie zu. "Da wundere ich mich oft und denke – stimmt irgendwie."
Bleibt die Frage, unter welchem Stern die Stadt geboren ist. Die Geburtsstunde ist der 1. Januar 1970. Sie steht damit im Zeichen des Steinbocks, und die sollen für ihren Fleiß, ihren Arbeitseinsatz und ihre Produktivität bekannt sein. Doch noch gibt es für Städte keine Horsoskope.
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