Meerbusch: Mataré darf kein Ehrenbürger werden
zuletzt aktualisiert: 13.08.2010Düsseldorf (RPO). Die Diskussion um Meerbuschs neue Ehrenbürger dürfte noch für einigen Wirbel sorgen. Diverse bedeutende Meerbuscher wie der Künstler Ewald Mataré sind von vornherein von der Würdigung ausgeschlossen, da sie bereits tot sind.
Rein juristisch können in Meerbusch nur bis zu drei lebende Personen Ehrenbürger sein, so die Auskunft des Rechtsamts. Genau genommen ist Dr. Franz Schütz, der bereits 1970 – wenige Wochen nach der Ehrung – gestorben ist, seitdem kein Ehrenbürger mehr.
Würdigung von Verstorbenen
Posthume Verleihungen finden allerdings in anderen Städten durchaus statt – in Ausnahmefällen und nur mit Zustimmung der Erben. Berlin zeichnete beispielsweise Marlene Dietrich zehn Jahre nach ihrem Tod auf diese Weise aus. Heinrich Böll wurde 25 Jahre nach seinem Ableben Ehren-Bornheimer. Delmenhorst würdigte so 1986 seinen im Amt verstorbenen Oberbürgermeister Otto Jenzok, und Güstrow ließ sich 70 Jahre Zeit um den 1938 verstorbenen Ernst Barlach zum Ehrenbürger zu machen.
Für die Meerbuscher Ratsmitglieder wäre die Möglichkeit, die Lebensleistung von Bürgern nach ihrem Tod mit der Ehrenbürgerschaft zu krönen eine salomonische Lösung – falls bei der Diskussion über lebende Kandidaten Meinungsverschiedenheiten auftreten sollten. Zur Entscheidung ist schließlich eine Zweidrittel-Mehrheit im Rat nötig. Um diese zu erreichen, muss sich die CDU mit mindestens zwei anderen größeren Parteien einigen. Eine Ehrenbürgerwahl gegen den Willen der CDU ist rechnerisch nicht möglich.
Wäre eine posthume Auszeichnung möglich, würden eine ganze Reihe Persönlichkeiten zur Verfügung stehen, die Großes für das (spätere) Meerbusch, beziehungsweise dessen Ruf als Kunststadt getan haben: Von der seligen Hildegundis von Meer, Gründerin des Prämonstratenserinnen-Klosters Meer, über Friedrich Johann von der Leyen, der den Anstoß zum Bau der Villenkolonie Meerer Busch gab bis zu Mataré, der bis zu seinem Tod 1965 lange Jahre in Büderich arbeitete und Studenten ausbildete. Nach Mataré benannte die Stadt inzwischen eines ihrer beiden Gymnasien. Er bekam auch (ebenso wie Dr. Franz Schütz) ein Ehrengrab.
Die Stadt Meerbusch hatte vor wenigen Wochen ihre Satzung dahingehend geändert, dass nun drei lebende Personen zu Ehrenbürgern ernannt werden dürfen. Der Rat will darüber unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutieren.
Auch Nicht-Politiker ehren?
Die Junge Union hat bereits Meerbuschs ersten Bürgermeister Dr. Ernst Handschumacher (CDU) vorgeschlagen. In der Bürgerschaft gibt es allerdings viele Stimmen, die sich auch Nicht-Politiker als Ehrenbürger wünschen und Arche-Noah-Gründerin Hildegard Miedel den Vorzug geben. Bürger und Vereine machten inzwischen viele andere Vorschläge.
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