Meerbusch: Mauerreste: Mahnung oder "Politnippes"?
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 15.06.2010Düsseldorf (RPO). Soll Meerbusch ein 2,7 Tonnen schweres Tel der Berliner Mauer als Geschenk annehmen – auch wenn die Stadt dann Aufstellung und Erhalt bezahlen müsste? Oder sollte besser ein kleines, ebenfalls geschenktes Mauerbruchstück in der Gesamtschule angebracht werden?
Diese Fragen beschäftigen im Moment viele Bürger: "Ich würde es sehr begrüßen, wenn Meerbusch sich ein Stück Geschichte leisten und das große Mauerteil aufstellen würde", sagt Arno Hinze aus Osterath. Gerade auch als Mahnung an weitere Generationen, dass die DDR eine totalitäre Diktatur ohne Reisefreiheit und keine Rundum-Sorglos-Gesellschaft war. Auch Axel Mehn aus Lank-Latum ist für die Annahme. Er empfiehlt Flächen vor der neuen Bücherei in Büderich oder dem Lanker Bürgerhaus als mögliche Standorte. Juso Marius Luciano sieht das ähnlich. Er meint: "Geschichte zum Anfassen ist beeindruckend und eine Möglichkeit, junge Menschen nicht zuletzt auch für die Gefahren der linksextremen Szene heute und die DDR-Verbrechen damals zu sensibilisieren".
"Dieser geplante politische Devotionalienhandel mit bemalten Mauerresten nützt niemandem", sagen dagegen Charlotte Niess-Mache und Wolf Mache. Der öffentliche Raum solle "nicht zweckentfremdet werden als Stellplatz für Kunst- und Politnippes aller Art – Skulpturen, Brunnen und jetzt auch noch makabere Mauerreste". Man müsse auch den Mut haben, unwillkommene Geschenke zurückzuweisen. "Für so etwas Hässliches sollte die Stadt kein Geld ausgeben. Bitte nicht!" meint Brunhilde Bergander aus Büderich. "2,7 Tonnen sind vielleicht etwas zu viel. Ich befürchte, dass es dann auch Vandalismus geben würde. Es wäre besser, das kleinere Mauerstück in der Schule anzubringen", sagt Gerhard Schüler-Böhme aus Strümp, gebürtig aus Halle/Saale. Hansjörg Hoppenheit (Büderich) kritisiert das Bild auf dem großen Mauerstück als obszön: "Damit machen wir uns doch zum Gespött".
Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westelage weist darauf hin, dass der Kulturausschuss sich zu dem Thema zunächst grundsätzlich positionieren sollte. Er tagt am 22. Juni. Es sei allerdings klar, dass bei der Aufstellung großer Mauerteile "nicht unerhebliche Kosten anfallen, die im Haushalt nicht berücksichtigt sind", während die Annahme des kleinen Mauerstücks ohne Kosten durchführbar sei. Sollte der Ausschuss für das große Mauerteil votieren, sei eine Aufstellung an der Mediothek Büderich oder dem Lanker Bürgerhaus jedenfalls nicht möglich, so die Dezernentin: An der Bücherei sei kein Platz und am Bürgerhaus stehe schon eine (zurzeit demontierte) Stahlskulptur von Will Brüll.
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