Meerbusch: Mime und Maler
VON HEIKE SCHOOG - zuletzt aktualisiert: 13.11.2009Düsseldorf (RPO). Der 74-jährige Helmut Everke lebt in Strümp. Im Wohnzimmer stehen die alten Textbücher aus seiner Zeit als Schauspieler, im Keller lagern jede Menge Bilder. Heute malt er nur noch.
"Karl-Heinz Stroux oder Gustaf Gründgens? Das waren die Alternativen. Davon träumten Schauspielschüler." Helmut Everke, inzwischen 74, denkt immer noch gern an die Anfänge seiner Karriere als Schauspieler zurück. Sein Traum ging in Erfüllung. Von 900 Bewerbern hat er den Zuschlag für das Düsseldorfer Schauspielhaus bekommen. "Mario Adorf hat mir ein bisschen geholfen. Er hatte mich an der Schauspielschule in München gesehen und kannte Stroux. Und schrieb ihm ein Briefchen, er möge mich doch zumindest einmal vorsprechen lassen." Per Anhalter ist Everke von München nach Düsseldorf gekommen, wartete morgens vor dem Schauspielhaus, das damals noch in der Jahnstraße war, auf seinen Termin. "Ich war total übermüdet. Doch das war gut. Dann gibt man sein letztes", sagt Everke. Und behielt recht.
Eine Mappe, die sein Vater für ihn angelegt hatte, dokumentiert seine Schauspiel-Karriere. "Eine meiner Lieblingsrollen war der Spitta in den Ratten", sagt er und blickt wehmütig auf das Regal mit den Textbüchern. Erich Spitta, ein ehemaliger Theologiestudent und Schauspielschüler philosophiert in den Ratten über Gott und die Welt: "Wir sind die Zukunft. Die Zeit wird kommen, da wird die ganze weite schöne Welt unser sein", zitiert er. "Maria Wimmer spielte Frau John", sagt er und zeigt das Bild aus dem Album. "Da waren die ganz Großen des Theaters dabei. Das war so, als ob man heute als Anfänger gegen Boris Becker Tennis spielen würde."
Von 1959 bis 1980 gehörte Everke zum Ensemble des Schauspielhauses. Als der neue Intendant Günter Beelitz ihn kurzfristig für eine Rolle in einem Commedia d'ell Arte Stück von Carlo Caldoni einsetzen wollte, kündigte Everke, obwohl er drei Kinder zu versorgen hatte. "Das ging gar nicht. Dafür müssen Bewegungen einstudiert werden. Nicht nur Text", so Everke. Der Theaterschauspieler ging zum Fernsehen, spielte den Liebhaber von Mutter Beimer in der Lindenstraße, mimte in der Serie "Die Partner" den Chef von Jan-Josef Liefers und Ulrich Noethen. Bei "Oppen und Ehrlich" war er dabei, ebenso wie in "Nesthocker".
Heute konzentriert er sich auf die Malerei. "Auf Wunsch meiner Eltern hatte ich an der Kunsthochschule bei Professor Richard Seewald studiert. Ein Jahr lang. Dann rief die Bühne." Dennoch pflegt er die Malerei, bringt Landschaften auf Leinwand, porträtiert Menschen. Sein Keller ist voll mit Werken. "Ich gebe nicht alle ab", sagt er. "An einigen hängt mein Herz." Im Schnitt nimmte der Künstler, der gerade in der Teloy-Mühle ausgestellt hat, für seine Werke zwischen 1000 und 5000 Euro. Seine Schauspielkollegen vergessen ihn dabei nicht: Tatortkommissar Dietmar Bär und Schauspieler Peter Bongartz besuchten ihn in der Mühle.
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