Meerbusch: Musikschule soll sparen
VON NORBERT STIRKEN - zuletzt aktualisiert: 30.01.2007Düsseldorf (RPO). Die Sozialdemokraten stellten gestern die Ergebnisse ihrer Haushaltsberatungen vor: Neben vielen Vorschlägen zur Stärkung sozialer Initiativen geriet Meerbuschs teure Bildungseinrichtung in die Kritik.
Wenn die Städtische Musikschule überleben wolle, müsse sie auf Dauer wirtschaftlicher arbeiten. Das ist die einstimmige Meinung innerhalb der SPD. Und die Ziele haben die Sozialdemokraten in ihrer Klausurtagung zur Beratung des Meerbuscher Haushaltes auch gleich festgelegt. Bis zum Jahr 2012 sollen die Verantwortlichen der Bildungseinrichtung den realen Zuschussbedarf von 850 000 Euro jährlich auf 400 000 Euro pro Jahr senken. Den Weg dahin sollen Leiterin Sabine Hermann und ihre Kollegen mit der Stadtverwaltung entwickeln. „Wir wollen keine detaillierten Vorgaben machen“, sagt Georg Neuhausen, Kulturexperte der SPD. Von einem „Fass ohne Boden“ spricht Fraktionschefin Ilse Niederdellmann. „Die Grenzen sind überschritten“, meint Neuhausen, und der neue Parteivorsitzende Alexander Jankowsky sagt: „Die Musikschule versemmelt in zehn Jahren 8,5 Millionen Euro – Respekt.“
Großprojekte
Zu den Großprojekten gibt’s von der SPD kein generelles Nein. Egal, ob zentrale Mediothek oder Pavillons für den Dr.-Franz-Schütz-Platz in Büderich.
Für das geplante Kulturhaus in Lank-Latum zur Unterbringung von Bücherei, Volkshochschule und Musikschule gibt die SPD grünes Licht.
Neue Umkleideräume auf der Theodor-Mostertz-Sportanlage sind ebenfalls vorgesehen.
Für 2007 heißt das nach dem Willen der SPD, die Musikschule müsse den Zuschussbedarf auf eine Summe unter 800 000 Euro drücken und dann Jahr für Jahr mindestens 50 000 zusätzliche Euros einsparen. Nach Berechnung der SPD werde jeder Schülerplatz mit monatlich 51,57 Euro subventioniert. „Teurer als Privatlehrer“, meinen die Genossen. Zwei private Musikschulen in der Stadt zeigten, dass sich auch anders wirtschaften lasse.
„Aus dem Ruder gelaufen“
Die SPD wolle nicht 20 Jahre warten, bis die Umstellung der Beschäftigungsverhältnisse von Bundesangestelltentarif auf Honorarverträge abgeschlossen sei. „Das liegt auch im Interesse der Musikschule.“ Wenn die Stadt ihr Finanzdilemma nicht in den Griff bekomme, sei der Bestand der Musikschule gefährdet. Ein Sparkommissar würde kaum Rücksicht nehmen, meint die SPD. Die Angelegenheit sei über die Jahre hinweg einfach „aus dem Ruder gelaufen“, sagt Ilse Niederdellmann. Während die Stadt einige Musikschüler und -lehrer mit 850 000 Euro direkt fördere, gebe die Kommune für den gesamten freiwilligen Sozialsektor lediglich 240 000 Euro aus. Die SPD erwähnte diese Zahlen gestern in Osterath, kommentierte sie aber nicht. Doch die Haltung dazu ist klar.
Projektgruppe einsetzen
So fordern die Sozialdemokraten unter anderem, eine Projektgruppe „soziale und familienfreundliche Stadt“ mit externen Fachleuten zu gründen, Familienzentren in Lank-Latum und Osterath einzurichten, die Beiträge für die Stadtranderholung stabil zu lassen und ein Frühwarnsystem einzuführen, damit Kindesmisshandlungen erkannt werden können. Der Allgemeine Soziale Dienst soll mehr Bedeutung bekommen, und auch Tagesmütter und Schuldnerberatung stärker unterstützt werden. Startkapital in Höhe von 10 000 Euro will die SPD auch für eine Ehrenamtlerbörse unter Federführung der Diakonie zur Verfügung stellen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum