Meerbusch: Nachtflüge: Viel los am Himmel
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 05.01.2009Düsseldorf (RPO). Nach Angaben des Flughafens ging die Zahl der späten Starts und Landungen in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres leicht zurück. Die Fluglärmgegner interpretieren die Zahlen jedoch völlig anders.
Nachtflugverbot
Regelung Das Nachtflugverbot ist eine komplizierte Regelung. Grundsätzlich ruht der Flugverkehr in Düsseldorf zwischen 23 Uhr 6 Uhr. Ab 22 Uhr sind keine Starts mehr erlaubt.
Ausnahmen Flieger, die um 21.50 Uhr keine Keile mehr unter den Reifen haben, können auch nach 22 Uhr noch starten. In Düsseldorf stationierte Airlines wie Air Berlin dürfen bis 24 Uhr „verspätet“ landen. Danach ist eine Sondergenehmigung eines Beamten der Bezirksregierung nötig, der dazu nachts am Flughafen Dienst tut.
Die Wirtschaftskrise merkt man seit einigen Wochen auch in der Luft. Insgesamt ist die Zahl der Nachtflüge nach Angaben des Flughafens in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres bereits leicht gesunken. Für die Fluglärmgegner kein Grund zur Freude. Im Gegenteil, sie interpretieren die Zahlen völlig anders und verweisen auf eine Zunahme der „ausnahmsweisen“ Nachtflüge in den verkehrsreichen Urlaubsmonaten. Die Lärmgegner forderten Landesverkehrsminister Oliver Wittke dringend auf, „Maßnahmen einzuleiten, um die Gesundheit der Anwohner zu schützen“.
Nach den bislang vorliegenden Daten der ersten zehn Monaten 2008 ging die Zahl der Landungen zwischen 22 Und 6 Uhr von 8884 im Vergleichszeitraum 2007 um 310 auf 8574 im vergangenen Jahr leicht zurück. Die Zahl der ausnahmsweisen Spätlandungen (23 bis 6 Uhr), unter denen die lärmgeplagten Meerbuscher besonders leiden, stieg allerdings in einigen Monaten signifikant an. Im Mai 2008 landeten beispielsweise 46 Jets zwischen 23.30 und 0 Uhr, im Vorjahr waren es lediglich 26. Viel Betrieb war auch im Juli. 63 Maschinen starteten noch nach 22 Uhr, 41 mehr als im Vorjahr. Im August flogen zwischen 23.30 Uhr und Mitternacht noch 45 Düsenmaschinen Düsseldorf an, im Jahr davor waren es nur 29. Der Jahresrekord wurde im September aufgestellt. Nachdem zwischen 23 und 23.30 Uhr bereits 138 Maschinen aufgesetzt hatten, folgten in diesem Monat zwischen 23.30 Uhr und Mitternacht weitere 65 Jets. 15 Flieger kamen zwischen 0 und 6 Uhr „rein“. Statistisch gesehen sind im September also jede Nacht sieben Maschinen in Düsseldorf gelandet.
Nach Untersuchung der sechs verkehrsreichsten Monate Mai bis Oktober kommen die Fluglärmgegner zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der Nachtflüge von 5587 auf 5772 erhöht habe (siehe Grafik). „Die Zahl der späten Landungen stagniert auf hohem Niveau. Was stark gestiegen ist, ist die Zahl der späten Starts“, so Christoph Lange, Vorsitzender der „Bürger gegen Fluglärm“.
Er unterstreicht, dass man gar nichts gegen echte Ausnahmen habe. Eine Maschine, die durch den Herzanfall eines Passagiers aufgehalten würde, müsse natürlich auch noch mitten in der Nacht in Düsseldorf landen können. „Wogegen wir uns wenden, ist, dass einigen Gesellschaften dieses System aus Profitgier rücksichtslos ausnutzen“, so Lange.
Besonders kritisierte er in diesem Zusammenhang Air Berlin. Lange regte an, dass NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) der Fluglinie androhen solle, ihr den „Home Base Carrier“-Status zu entziehen. Dieser erlaubt unter anderem Air-Berlin- und Lufthansa-Jets, noch bis Mitternacht verspätet zu landen.
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