Meerbusch: Neuer Kraftwerks-Ärger
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 28.01.2009Düsseldorf (RPO). In Krefeld-Uerdingen soll ein 750-Megawatt-Steinkohlekraftwerk entstehen. Dessen Abgase würden bei Nordwind auch über Meerbusch getrieben. Ein Einspruchsrecht hat die Stadt jedoch nicht.
Etwa zehn Kilometer sind es von Lank-Latum und Nierst bis zum Chempark in Krefeld-Uerdingen. Dort planen der Energieversorger Trianel und Bayer ein Kohlekraftwerk mit 750 Megawatt Leistung. Dafür sollen zwei alte 117-Megawatt-Kessel aus den 60er Jahren abgeschaltet werden. Durch die vorherrschenden Winde aus Richtung Nordsee und Eifel würden die Abgase vor allem ins Ruhrgebiet treiben. Bei ungewöhnlichen Wetterlagen mit Luftströmungen aus Nord- und Nordwest wäre allerdings auch Meerbusch betroffen.
Tonnenweise Schadstoffe
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) ist alarmiert und schätzt, dass die Anlage pro Jahr unter anderem 600 Kilogramm Quecksilber, 500 kg Cadmium, sechs Tonnen Blei, eine Tonne Arsen und 400 Tonnen Feinstaub in die Luft blasen wird. Dass sie 4,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr abgibt, ist unstrittig. Trianel weist darauf hin, dass moderne Filter verwendet, "und alle Grenzwerte immer sicher eingehalten und im Normalbetrieb deutlich unterschritten werden". Welche Schadstoffmengen in Meerbusch hängen bleiben würden, lässt sich noch nicht sagen.
Gegenspieler
Planer Die für die Planung des Kraftwerks verantwortliche Firma Trianel informiert im Internet über das Projekt:
www.trianel-kraftwerk-krefeld.de
Gegner Die Bürgerinitiative "Saubere Luft" hält dagegen. Sie findet man im Netz unter: www.bi-saubere-luft.de
Bei den Parteien ist das Projekt umstritten – je nach Standort. In Krefeld haben CDU und SPD Zustimmung signalisiert, auch mit Blick auf die Arbeitsplätze der 7000 Chempark-Beschäftigten. Im potentiell stark von den Emissionen betroffenen Duisburg lehnen alle Parteien das Kraftwerk strikt ab. In Rheinhausen hat sich bereits eine Bürgerinitiative "Saubere Luft" gegen den Bau gegründet.
Meerbuschs CDU-Fraktionschef Werner Damblon hält den Bau im Chempark für "den falschen Weg". Die CDU sei nicht generell gegen Kohlekraftwerke, "aber muss ein Kraftwerk denn in eine Gegend wie Uerdingen, in der die Luft sowieso schon stark belastet ist?", fragt Damblon.
"Normen werden eingehalten"
SPD-Fraktionschefin Ilse Niederdellmann unterstreicht, dass das Kraftwerk alle Umweltnormen einhalten werde. Zudem würden nach dem Bau die beiden alten Kessel abgeschaltet. Sie habe daher "grundsätzlich nichts dagegen."
FDP-Fraktionschefin Gesine Wellhausen ist angesichts des Schadstoffausstoßes "strikt gegen das Kraftwerk", das sie als "völlig überdimensioniert" ansieht. "Krefeld hat schon eine Spitzenstellung im bundesdeutschen Krebs-Atlas – und wir sind die direkten Nachbarn".
Die Grünen lehnen neue Kohlekraftwerke generell ab. "Wir hätten die Belastungen mindestens 30 Jahre am Hals. Das ist in Anbetracht der massiven Klimabedrohungen nicht zu akzeptieren", sagt Grünen-Chef Jürgen Peters. Gas könne vorübergehend eine Alternative bieten. Wichtig sei aber "ein konsequentes Umsteuern hin zu regenerativen Energien und Einsparungen."
Die Stadt Meerbusch wird im Planverfahren nur eine Stellungnahme abgeben können, die keine bindende Wirkung hat. Die entscheidende Sitzung des Krefelder Rats zum Kraftwerk findet voraussichtlich im Februar statt.
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